Das Land Kärnten ist auf europäischer Ebene seit vielen Jahren aktiv in sozialpolitischen Netzwerken vertreten. Eine zentrale Plattform dafür ist das European Local Inclusion and Social Action Network (ELISAN). In diesem Netzwerk haben sich europäische Regionen, Städte und Gemeinden zusammengeschlossen, um sozialpolitische Interessen gemeinsam auf EU-Ebene zu vertreten, voneinander zu lernen und erfolgreiche Initiativen sichtbar zu machen. Der Austausch erfolgt parteiübergreifend, im Fokus stehen konkrete Lösungsansätze für aktuelle soziale Herausforderungen. Den Vorsitz von ELISAN hat derzeit die spanische Region Valencia inne.
Best-Practices aus Kärnten
Kärnten ist seit der Gründung des Netzwerks im Jahr 2008 Mitglied und wird seit 2014 maßgeblich von Gesundheits- und Pflege-Landesrätin Beate Prettner als ELISAN-Vizepräsidentin vertreten. Beim diesjährigen ELISAN-Treffen sowie dem „7th Annual Technical Meeting oft he Venice Declaration Signatories“ in Valencia präsentierte Prettner gestern, Montag (15. Juni 2026), drei zentrale Kärntner Vorzeigeprojekte.
Modellregion für Gendermedizin
In der Eröffnungssession stellte die Landesrätin zunächst Kärnten als Modellregion im Bereich der Gendermedizin vor. Dabei geht es um eine geschlechtersensible Gesundheitsversorgung, die Unterschiede in Symptomen, Krankheitsverläufen und Therapien gezielt berücksichtigt.
„Gesundheit ist keine Einheitsfrage. Mit der Modellregion Gendermedizin sorgen wir in Kärnten dafür, dass Frauen und Männer jene Versorgung bekommen, die sie tatsächlich brauchen – wissenschaftlich fundiert und praxisnah“,
betonte Prettner.
Die Modellregion Gendermedizin Kärnten ist auf drei Säulen aufgebaut: gezielte Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten sowie Gesundheitsberufen in diesem Bereich, regelmäßige Fort- und Weiterbildungen für Fachkräfte und die Sensibilisierung der Bevölkerung.
Lohn statt Taschengeld
Als zweites Projekt präsentierte sie das österreichweit beachtete Modell „Lohn statt Taschengeld“ für Menschen mit Behinderung. Dieses ermöglicht eine faire Entlohnung für erbrachte Arbeitsleistungen und stärkt damit Selbstbestimmung, soziale Absicherung und echte Teilhabe am Arbeitsmarkt.
„Arbeit muss sich lohnen – für alle. ,Lohn statt Taschengeld‘ steht für Respekt, Anerkennung und gleiche Rechte von Menschen mit Behinderung“,
so Prettner.
Pflegenahversorgung
Im Rahmen eines Good-Practice-Austauschs brachte die Landesrätin das Kärntner Modell der Pflegenahversorgung ein, das bereits in über 90 Prozent der Kärntner Gemeinden etabliert ist. Das niederschwellige Beratungs- und Betreuungsnetzwerk direkt in den Gemeinden verfolgt das Ziel, ältere und pflegebedürftige Menschen im eigenen Zuhause zu unterstützen, um einen frühen Einzug ins Pflegeheim zu verhindern und ein selbstständiges Leben zu ermöglichen.
Die Kärntner Beiträge stießen auf großes Interesse und wurden als gut übertragbare Beispiele für andere Regionen bewertet. Die ELISAN-Konferenz unterstrich damit eindrucksvoll die Rolle Kärntens als innovativer und engagierter Akteur in der europäischen Sozial- und Gesundheitspolitik.