„Checkpoint sexuelle Gesundheit“ bietet ab 1. Juli medizinische Behandlung an

Eröffneten das Behandlungszentrum: Landesrätin Beate Prettner, Maximilian Miggitsch (ÖGK), Günther Nagele und Dermatologin Lucia Oberleitner (von links) - Fotohinweis: Büro LR.in Prettner
Mit 1. Juli 2026 wird in Kärnten ein zentrales gesundheitspolitisches Vorhaben Realität: Der „Checkpoint sexuelle Gesundheit“ in der Klagenfurter Bahnhofstraße (ehemals Aidshilfe Kärnten) nimmt als umfassendes Behandlungs- und Kompetenzzentrum für sexuelle Gesundheit offiziell den Betrieb auf. Gesundheitslandesrätin Beate Prettner, Günther Nagele, Leiter des Checkpoints, und Maximilian Miggitsch von der ÖGK präsentierten vor der bevorstehenden offiziellen Inbetriebnahme die neuen Leistungen.

Sexuell übertragbare Infektionen im Steigen

Prettner zu den Hintergründen:

„Europaweit verzeichnen wir einen Wiederanstieg von sexuell übertragbaren Infektionen. Aktuelle europäische Daten – ohne Österreich-Zahlen – zeigen Rekordwerte bei Gonorrhö, Syphilis und Chlamydien. Diese Entwicklung ist medizinisch und epidemiologisch alarmierend.“

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ortet Lücken bei Tests und Prävention und fordert leicht zugängliche Präventionsangebote, einen einfachen Zugang zu Tests und eine rasche Behandlung.

Alles unter einem Dach

Kärnten reagiert genau darauf: Künftig werden im „Checkpoint sexuelle Gesundheit“ Beratung, Testung, Diagnostik und Therapie, also medizinische Behandlung, erstmals außerhalb des Spitals unter einem Dach angeboten. Ein solches Angebot gibt es seit kurzer Zeit nur noch in Wien.

„Was bisher gefehlt hat, war die Therapie im Checkpoint – mit Rezepturrecht. Der Weg ins Krankenhaus, der nun vielfach wegfällt, war für viele Betroffene eine Hürde – aus Angst, Scham oder organisatorischen Gründen. Das führte dazu, dass Behandlungen gar nicht begonnen oder abgebrochen wurden“,

erklärt die Landesrätin.
Ziel seien sofortige Therapiebeginne, höhere Behandlungstreue, das Unterbrechen von Infektionsketten und ein besseres epidemiologisches Monitoring. Gleichzeitig wird das Klinikum Klagenfurt deutlich entlastet – künftig müssen rund acht von zehn Patientinnen oder Patienten nicht mehr ins Spital.  

Therapien scheitern oft an Barrieren

„Wir schaffen hier einen echten ,best point of service‘“,

ergänzen Nagele und Dermatologin Lucia Oberleitner, die als eine der behandelnden Ärztinnen bzw. Ärzte vorgestellt wurde.

„An zwei medizinischen Öffnungstagen pro Woche werden wir über 2.000 Kontakte pro Jahr abwickeln können. Medizinische Versorgung, psychosoziale Beratung und sexualpädagogische Prävention greifen im Checkpoint ineinander. Viele Therapien scheitern nicht an der Medizin, sondern an Barrieren – diese bauen wir ab.“

Zudem arbeite man eng mit dem Klinikum zusammen und leiste mit anonymisierten Daten einen wichtigen Beitrag zur besseren Einschätzung der lückenhaften österreichischen Datenlage.

eCard im Checkpoint

Die Sozialversicherung wird die medizinische Leistung, die mit eCard abrufbar ist, finanzieren. Warum, erklärt Miggitsch:

„Für uns ist entscheidend, dass Versicherte rasch, unkompliziert und qualitativ hochwertig versorgt werden. Wenn Diagnostik und Therapie niederschwellig an einem Ort stattfinden, steigen Therapiebeginn und Behandlungstreue deutlich. Das schützt nicht nur die einzelne Person, sondern wirkt auch präventiv im Sinne der öffentlichen Gesundheit. Deshalb ist dieses Kompetenzzentrum eine sinnvolle und nachhaltige Investition in eine moderne Gesundheitsversorgung.“

Finanzierung gesichert

Die Finanzierung steht auf soliden Beinen: Der Kärntner Gesundheitsfonds trägt die Investitionskosten für den Umbau und zusätzliches nichtärztliches Personal (Ordinationshilfe), die Sozialversicherung finanziert die ärztliche Leistung. 2026 werden – inklusive Umbau-Kosten – 140.000 Euro investiert, ab 2027 liegen die laufenden Kosten bei rund 60.000 Euro jährlich.

„Sexuell übertragbare Erkrankungen sind wieder im Vormarsch – und wir reagieren entschlossen“,

fasst Prettner zusammen.

„Mit dem Kompetenzzentrum schaffen wir niederschwellige Versorgung, medizinische Qualität, Anonymität und Menschlichkeit. Mein besonderer Dank gilt Günther Nagele und seinem Team – ohne ihren unglaublichen Einsatz wäre diese Eröffnung nicht möglich.“

Bei einem „Open House“ konnten sich Interessierte selbst ein Bild von den neuen umgebauten Räumlichkeiten und dem erweiterten Leistungsspektrum machen.