„WahnSinn – Welt in UnOrdnung?“ So lautet das Thema der 11. Europäischen Toleranzgespräche organisiert vom 1. bis 7. Juni 2025. Heute, Dienstag, wurde im Spiegelsaal der Landesregierung mit LH Peter Kaiser das diesjährige Programm der Veranstaltung des Denk.Raum.Fresach und des Club Carinthia präsentiert.
Der Landeshauptmann verwies auf die heuer sieben Tage dauernden Gespräche in Fresach, geschuldet den aktuellen Themen, die „uns alle erschrecken, bewegen und herausfordern“. Der Titel der diesjährigen Toleranzgespräche sei wohl eine nüchterne Feststellung.
„Die Toleranzgespräche haben sich als Diskussionsforum etabliert, das sich aktuellen und zukünftigen Herausforderungen widmet, sie kritisch beleuchtet und analysiert, und in welchem auch zukunftsfähige Lösungen erarbeitet werden. Optimismus und Mut dürfen nicht verloren gehen. Sie spielen eine große Rolle, für jede und jeden Einzelnen, aber auch für die Suche nach Lösungen und Ergebnissen“,
so der Landeshauptmann.
Laut ihm habe man aktuell das Gefühl, das Motto laute: „Oligarchen aller Länder vereinigt euch mit antidemokratischen Politikern und teilt euch die Welt untereinander auf!“ Die aktuelle Lage Europas, der ganzen Welt, die fast täglich Neues bereithält, müsse kritisch gesehen werden und es müssten neue Antworten für eine tragfähige Zukunft unserer Weltordnung und unserer Gesellschaft gefunden werden.
„Das bedarf unserer Werte der liberalen Demokratie verbunden mit einem Europabewusstsein und dem dementsprechenden Handeln. Das Ziel muss bleiben: ein friedvolles solidarisches Miteinander in Wohlstand durch soziale Gerechtigkeit“,
machte Kaiser deutlich.
Die Europäische Union, sei laut Kaiser, trotz aller Kritik, die Einheit, die supranational die am meisten entwickelte ist.
„Die Poliloge der Toleranzgespräche stärken uns, geben Zuversicht“,
so Kaiser weiter.
Die weiteren Teilnehmer der Pressekonferenz, Hannes Swoboda, Kuratoriumspräsident, Bürgermeister Günther Albel, Superintendent Manfred Sauer, Margarethe Prinz-Büchl, Vorstandsmitglied Denk.Raum.Fresach, Dompfarrer Peter Allmaier und Wilfried Seywald, Programmkoordinator der Toleranzgespräche, verwiesen auf die Grundlagen für das diesjährige Thema. „Wir haben geglaubt, diese Themen, die uns täglich einholen, nicht mehr diskutieren zu müssen. Krieg, illegale Migration, Terror, Leid, Extremismus, Klima – all dem müssen wir mit prinzipientreuem Pragmatismus, der die Grundsätze des Humanismus beinhaltet, begegnen und den Menschen Hoffnung geben. Das ist das Ziel der Toleranzgespräche: aufzeigen, dass Lösungen möglich sind, damit wir dem Wahnsinn nicht ausgeliefert sind“, sagte Swoboda.
Bürgermeister Albel dankte allen, die die Gespräche möglich machen, finanziell wie organisatorisch und inhaltlich. „Es geht um den Diskurs, es geht darum, über alte Gewohnheiten neu nachzudenken, und es geht vor allem darum, die Chancen zu sehen, die diese Krisen mit sich bringen. Bildung spielt dabei die wichtigste Rolle, sie ist die Grundlage um Wiederstand gegenüber totalitären Systemen leisten zu können. Der positive Diskurs in Fresach trägt zur Bildung bei, macht Lösungen für neue Herausforderungen sichtbar“, hielt Albel fest.
Auch die kirchlichen Vertreter, Sauer und Allmaier, nahmen Bezug auf die gegenwärtige europaweite und globale Situation, die Bedrohung durch Extreme, Kriege. Es sei zu hinterfragen, warum die liberale Demokratie bei vielen den Stellenwert verliert, warum Freiheit ins Wanken gerät. Sauer betonte die Verantwortung der Kirchen, Stimmungen wahrzunehmen. Alllmaier ging auf das gewählte Thema „Wahnsinn“ und seinen Ursprung bzw. dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft und das Zusammenleben ein.
Margarethe Prinz-Büchl erklärte die Thematik der Toleranzgespräche bzw. die derzeitigen Herausforderungen kurz damit, dass „Wahnsinn sich in unseren Lebensbereichen breitmacht und der Umgang damit individuell ist, jedenfalls die Menschen überfordert“. Die Menschen würden Sicherheit und Stabilität brauchen, um ihre Struktur und Ordnung zurück bekommen zu können. Fresach mit seinen Toleranzgesprächen sei ein Ort, „in dem die Grundlage für diese Diskussionen geschaffen wird“.
Programmkoordinator Seywald erklärte, dass über 30 Expertinnen und Experten aus Philosophie, Religion, Wirtschaft und Wissenschaft heuer die Debattenbeiträge liefern würden. Im Fokus stehen laut Programm die Bedenken bezüglich der zunehmenden Erosion geltender Spielregeln in internationalen Beziehungen, die Folgen der „America First“-Politik. Europa im Umbruch, die Welt aus den Fugen. Seit 2025 werden die geopolitischen Karten neu gemischt: Der US-Präsident bricht mit allen Konventionen, die in den vergangenen Jahrzehnten als unverrückbar galten. Zölle sind das neue „Zauberwort“ der USA, China als neue zentrale Ordnungsmacht im Pazifik hält dagegen, die Kriegsmaschinerie Russlands stottert – dazwischen Europa, das sich neu orientieren muss, vielleicht sogar gegen den transatlantischen Bündnispartner verteidigen wird müssen.
Im Vorfeld der Toleranzgespräche gibt es das Europaforum „Welt in Aufruhr – Frohgemut in den Wahnsinn – Kleiner Mann, was nun?“ am 25. März in Wien, das der Denk.Raum.Fresach gemeinsam mit dem Club Carinthia organisiert. Mit dabei sind der Autor und Essayist Franz Schuh, Hannes Swoboda, Präsident der Europäischen Toleranzgespräche, Margarethe Prinz-Büchl, Psychotherapeutin, und Sonja Jöchtl von der Initiative Love Politics, die alle mit Claus Reitan über die Welt im Aufruhr sprechen werden und mögliche Antworten liefern.
Programmpunkte Toleranzgespräche 1.- 7. Juni 2025:
Erster Juni 2025, 11 bis 13 Uhr: Literaturforum im Toleranzmuseum Fresach
4. Juni 2025, 14 Uhr: Jugendforum, Neue Bühne Villach. 18 Uhr: Philosophicum und Empfang, Neue Bühne Villach
5. Juni 2025: 09 bis 18 Uhr: Europaforum Fresach. 18.30 Uhr: Toleranzpreisverleihung
6. Juni 2025: 09 bis 18 Uhr: Wirtschaftsforum Fresach. 18.30 Uhr: Young Poetry Slam
7. Juni 2025: 08 bis 12 Uhr: Toleranzfrühstück im Gasthaus Zum Wirt, Fresach
Quelle: LPD Kärnten