12.11.2018

SPÖ Kärnten: Mahnwache in Erinnerung an die Opfer des Novemberpogroms

Kaiser, Burgstaller: Gedenken wichtig, um gegen Hass und Hetze Widerstand zu leisten. Demokratie, Freiheit und Rechtssaat keine Selbstverständlichkeit und müssen immer wieder verteidigt und erhalten werden.

Vor 80 Jahren fanden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, die schändlichen Geschehnisse des Novemberpogroms statt, die ein abschreckendes Beispiel für die jahrelange, von den Nationalsozialisten durch Sprache und Handeln hervorgerufene Radikalisierung der Bevölkerung, die den Boden für das Verbrechen der Konzentrationslager aufbereitet hat.

Um dem Vergessen und der Verdrängung an dieses verbrecherische Ereignis entgegenzuwirken, hielt die SJG Kärnten wie jedes Jahr am 9. November am Dr.-Arthur-Lemisch-Platz in Klagenfurt eine Mahnwache ab, um an die Opfer des Novemberpogroms und der Nazi-Diktatur zu erinnern. Die PassantInnen wurden von den FunktionärInnen der SJG direkt zu den schrecklichen Geschehnissen vor 75 Jahren angesprochen und gebeten, im Gedenken an die Opfer eine Kerze anzuzünden.

Landeshauptmann Peter Kaiser dankte der SJG Kärnten, dass sie mit Gedenkveranstaltungen wie der Mahnwache maßgeblich dazu beiträgt, das Vergessen und Verdrängen zu verhindern. „Wir sind gut beraten, aus der Vergangenheit zu lernen für die Zukunft“, wandte er sich an die „Mit-Bedenkenden“ und rief die Gräuel und Folgen des Novemberpogroms in Erinnerung: „Der 9. November war eine Nacht, die für das jüdische Volk alles verändert hat. Erstmals wurden 30.000 Menschen in KZs deportiert und es gab keinen Aufschrei gegen dieses Unrecht, die Menschen haben die Verbrechen des organsierten Antisemitismus hingenommen.

Die Geschehnisse seien zwar 80 Jahre her, seit damals sei viel geschehen, doch es dürfe nie passieren, dass diese Vergangenheit gelöscht und relativiert werde, so Kaiser. Auch heut erlebe man Stigmatisierung, abwertende Zuschreibungen und Ausgrenzung. Deshalb sei Gedenkkultur unerlässlich um die Wachsamkeit gegenüber Fehlentwicklung und das Bewusstsein für die Vergangenheit zu stärken. „Ich kann ihnen als Vorsitzender meiner Gesinnungsgemeinschaft versprechen, dass ich dafür eintrete, dass alle Menschen, gleich an Würde und Rechten leben können,  unabhängig von ihrer Religion, ihrer Gesinnung, ihrer Herkunft oder ihrem Geschlecht, weil es ein demokratischen Österreich gibt. Wir sind es den Opfern des Novemberpogroms schuldig, es war der Beginn der Ermordung von 6 Millionen jüdischer Menschen“, so Kaiser zu den TeilnehmerInnen der Mahnwache.

SJG-Vorsitzender Luca Burgstaller las aus dem Brief einer Betroffenen aus Klagenfurt, die im November 1938 als 10-jährige  den Schrecken und Horror des Novemberpogroms miterleben musste, als ihr Vater von Schergen der NS-Diktatur ins KZ Dachau verschleppt wurde. Der Hass, der sich gegen Menschen richte, komme aus einer Stimmung der Angst und Unsicherheit, die von verantwortungslosen Zeitgenossen missbraucht werde. Man müsse darauf hinweisen, wenn politische Bewegungen mit extremer, verhetzender Sprache den Rahmen eines menschenwürdigen politischen Diskurses verlassen, so Burgstaller.

„Werte wie Demokratie, Frieden oder Rechtsstaatlichkeit sind weder in Stein gemeißelt noch irgendein physikalisches Grundgesetz, sondern müssen immer wieder auf neue erkämpft werden - nämlich von uns allen!“ appellierte Burgstaller an die Anwesenden, nicht zu vergessen und die Vergangenheit zu verdrängen, denn der Blick in die Vergangenheit - das Erinnern – sei heute wichtiger denn je. „Lassen wir es nicht zu, dass darauf vergessen wird. Weil wir es in Zukunft brauchen werden“ sagte Burgstaller der Brecht zitierte „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“. Hetze, Menschenverachtung, rechtsextremes Gedankengut dürfen im Europa des 21. Jahrhunderts keinen Platz haben, mahnte er ein. „Deshalb - Übernehmen wir nicht die Sprache der Intoleranz und geben ihr damit Legitimation. Nein - Setzten wir der Sprache der Intoleranz unsere Sprache der Menschenwürde, Toleranz und Weltoffenheit gegenüber! Vergessen wir unsere Vergangenheit nicht - sondern lernen wir aus ihr“, forderte Burgstaller die Anwesenden auf.

Die SJG Kärnten hatte bereits am Nachmittag zu einem „Spaziergang auf jüdischen Spuren“ in Klagenfurt mit der Historikerin Nadja Danglmaier eingeladen, an dem eine sehr große Zahl an Interessierten teilnahmen und der sie unter anderem vom Denkmal für das ehemalige jüdisches Bethaus in Platzgasse zu Gedenkstätten und für die Opfer des Nationalsozialismus in der Burg in Klagenfurt, dem Sitz der Gestapo während der Nazi-Diktatur, führte.

Im Zuge des Novemberpogroms wurden tausende Geschäfte geplündert, Häuser und Synagogen niedergebrannt und Menschen misshandelt und ermordet. Auch in Kärnten, wo 1938 rund 500 Jüdinnen und Juden lebten, kam es zu Ausschreitungen. Geschäfte und Wohnhäuser sowie ihr Bethaus in der Klagenfurter Platzgasse wurden geplündert und die Einrichtung zerstört. Die zentral von Berlin aus angeordneten Terroraktionen gegen Juden in Deutschland und Österreich markieren den Übergang von Diskriminierung und Demütigung jüdischer Bürgerinnen und Bürger hin zur ihrer systematischen Verfolgung und Vernichtung.

An der Mahnwache am Dr.-Arthur-Lemisch-Platz in Klagenfurt hatten sich unter den zahlreichen TeilnehmerInnen auch FunktionärInnen der SJG mit SJG-Landesvorsitzendem LAbg.  Luca Burgstaller sowie SPÖ-Vorsitzender Landeshauptmann Peter Kaiser, SPÖ-Landesgeschäftsführer Andreas Sucher, Bundesrat Gerhard Leitner,  Vizebürgermeister Jürgen Pfeiler, Stadtrat Franz Petritz, VertreterInnen der SPÖ aus ganz Kärnten sowie  der SPÖ Klagenfurt und der SPÖ-Landesorganisation Kärnten eingefunden. Im Gedenken an die Opfer hielten die TeilnehmerInnen der Mahnwache eine Schweigeminute ab und zündeten Kerzen an.

Fotos © SPÖ Kärnten/Mucher: https://flic.kr/s/aHsmvr1Aff

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