Zweisprachige Bildung als Schwerpunkt im Dialogforum

Im Kärntner Dialogforum lag gestern, Donnerstag, der Fokus auf der Entwicklung der zweisprachigen Bildung – von der Elementarpädagogik bis hin zum höheren Schulwesen. Darüber informierten Landeshauptmann Peter Kaiser, Bildungsreferent Landesrat Daniel Fellner und Bildungsminister Christoph Wiederkehr in einer anschließenden Pressekonferenz. Bei dieser und davor im Dialogforum waren auch der slowenische Botschafter in Österreich, Marko Štucin, und der österreichische Botschafter in Slowenien, Konrad Bühler, anwesend.
 
Für Kaiser steht das Dialogforum nicht nur für einen Dialog, sondern sogar für einen Polylog über die Landesgrenzen hinaus. Großes Ziel sei es, eine durchgängige Bildung in der Volksgruppensprache zu ermöglichen.

„Und das nicht nur in Kärnten, sondern auch in beispielsweise Wien oder Graz, wo es starke slowenische Sprachgruppen gibt“,

so der Landeshauptmann. Dabei solle die durchgängige Bildung in der Volksgruppensprache zum einen und das Sprachdreieck aus Familie, Bildungsinstitutionen und Vereinen zum anderen forciert werden. Kaiser dankte dem Bildungsminister für 16,8 Millionen Euro, die seitens des Ministeriums rein für die Volksgruppensprachenförderung nach Kärnten fließen. Zudem strich er die Pädagogische Hochschule Kärnten hervor, die als einzige in Österreich eine zweisprachige Didaktik anbiete. Für den Bereich Villach kündigte Kaiser im Schuljahr 2026/27 einen Schulversuch an:

„Da soll es an einer Allgemeinbildenden höheren Schule eine dreisprachige Alpen-Adria-Klasse geben.“

 
Als wichtigen Beitrag für die Identitätsbildung hob er das Kulturtandem / Kulturni tandem hervor, das diesmal die Gemeinden Magdalensberg und St. Kanzian am Klopeiner See bilden:

„Es weckt die Neugierde an der anderen Kultur.“

Sehr erfolgreich arbeite das Gemeinsame Komitee Kärnten-Slowenien und auch im heurigen Gedenkjahr seien viele Schwerpunkte mit der slowenischen Volksgruppe gesetzt worden. Für den 22. Oktober kündigte Kaiser an, dass Kärnten gemeinsam mit der österreichischen Botschaft eine Feier zum Nationalfeiertag in Laibach/Ljubljana ausrichten werde.
 

„Als Bildungsminister ist der Erhalt und die Förderung der Volksgruppensprachen für mich eine zentrale Verantwortung: Rund 16,8 Millionen Euro stellen wir dafür jährlich bereit – trotz angespannter Budgets, war es mir wichtig, die Förderungen für Volksgruppen im Bildungsbereich nicht zu kürzen“,

sagte Minister Wiederkehr. Er möchte daher gezielt in die Ausbildungsoffensive für Elementarpädagogik investieren:

„Mein Ziel ist es, über 4.000 neue Ausbildungsplätze zu schaffen und ein flächendeckendes Netzwerk an Ausbildungsstätten aufzubauen. Ein wesentlicher Eckpfeiler wird dabei das Grundständige Studium Elementarpädagogik an der PH Kärnten sein, das ab 2027 auch zweisprachig angeboten wird.“

 

„Mit dem neuen Curriculum für die Sekundarstufe Allgemeinbildung verankern wir ab Herbst 2026 an der PH Kärnten die Lehrbefähigung für das zweisprachige Schulwesen als zentralen Schwerpunkt und setzen dabei auf enge Zusammenarbeit mit der Alpen-Adria Universität Klagenfurt. Gemeinsam mit unseren Partnern richten wir einen Fachbeirat ein, um Maßnahmen zur Stärkung der slowenischsprachigen Volksgruppe klar zu steuern und kontinuierlich umzusetzen. Mein Ziel ist eine nachhaltige Struktur, die den nächsten Generationen den Zugang zu ihren Sprachen und Kulturen sichert. Denn: Starke Volksgruppen bedeuten auch eine starke Demokratie“,

so Wiederkehr weiter.
 
Bildungslandesrat Fellner lobte die Zusammenarbeit auf Bundesebene und sieht das Dialogforum als

„geniale Einrichtung, Bildungsthemen niederschwellig zu diskutieren“.

Eine zweite Sprache zu sprechen, sei laut Fellner ein Schatz und die Volksgruppe sei eine große Bereicherung.

„Dass es bei der Finanzierung des zweisprachigen Bildungswesens in Zeiten des Sparens zu keinen Kürzungen kommt, ist wirklich ein Erfolg“,

so Fellner. Insgesamt fördert das Land zweisprachige Kindertagesstätten, Kindergärten und Horte mit rund acht Millionen Euro. In Kärnten gebe es 46 Standorte, 76 Gruppen und darin 1.578 Betreuungsplätze.
 
Mit dem erklärten Ziel einer

„durchgängigen Sprachbildung in der Volksgruppensprache“

wurde ein umfangreiches Maßnahmenpaket erarbeitet und wurden insgesamt 33 Einzelmaßnahmen definiert. Davon wurden laut Fellner 18 bereits umgesetzt bzw. befinden sich in Umsetzung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt laut Fellner auf der Überprüfung von Qualitätsstandards durch die Fachaufsicht. Besonders betont wird auch der verstärkte Einsatz zweisprachiger Unterrichtsmaterialien: So sollen künftig zweisprachige Bücherkoffer für elementarpädagogische Einrichtungen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus werden gezielte Maßnahmen im Bereich der Aus- und Weiterbildung für Pädagoginnen und Pädagogen gesetzt, um sie bestmöglich auf den zweisprachigen Unterricht vorzubereiten und in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen.

„Sprache ist mehr als ein Mittel der Verständigung, sie ist Brücke, Identität und Heimat zugleich. Volksgruppensprache ist ein lebendiges Band zwischen Generationen und tief in unserer Kultur verwurzelt. Jede Maßnahme, die die Volksgruppensprache fördert, stärkt auch unser gemeinsames Wesen“,

so Fellner.
 
Die Einrichtung des Dialogforums für die Entwicklung des gemischtsprachigen Gebietes wurde 2011 im Zuge der Ortstafellösung festgeschrieben. Im Forum sitzen Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierung, der Landtagsparteien, der Kärntner Sloweninnen und Slowenen sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister.
Quelle: LPD Kärnten