3. November 2026
Weil du nicht alles alleine tragen musst: Kärnten stärkt Frauen- und Mädchenberatung
Eine Frage zur Arbeit, finanzielle Sorgen, Probleme in der Partnerschaft oder die Erfahrung von Gewalt: Es gibt viele Gründe, sich Unterstützung zu holen. Und keiner davon ist zu klein. Mit der Kampagne „Weil du nicht alles alleine tragen musst“ rückt das Land Kärnten die Angebote der Frauen- und Mädchenberatungsstellen in den Mittelpunkt.
„Frauen und Mädchen sollen wissen: Mit meinen Fragen und Sorgen werde ich ernst genommen“,
betont Frauen- und Gleichstellungsreferentin Marika Lagger-Pöllinger. Die Basisförderung des Landes sichert das Beratungsangebot in allen Kärntner Bezirken. Die neue Kampagne soll dafür sorgen, dass noch mehr Frauen und Mädchen davon erfahren – und den Schritt zur Beratung wagen.
Jede Frage ist es wert, gestellt zu werden
Wer Beratung in Anspruch nimmt, muss sich weder rechtfertigen noch warten, bis eine Situation eskaliert. Auch Unsicherheit, eine offene Frage oder das Bedürfnis, mit jemandem zu sprechen, sind gute Gründe, sich an eine Beratungsstelle zu wenden.
„Mit der Kampagne wollen wir Frauen und Mädchen ermutigen, sich Unterstützung zu holen – auch wenn sie noch unsicher sind, ob sie mit ihrem Anliegen richtig sind“,
erklärt Lagger-Pöllinger. Wie wichtig die Einrichtungen sind, zeigt ihre tägliche Arbeit: Rund 35.000 Beratungsstunden werden jährlich geleistet. Zuletzt wurden pro Monat 1.628 Klientinnen betreut.
Finanzielle Benachteiligung hat Folgen bis in die Pension
Die Kampagne startet im Umfeld des Equal Pay Day und der am 25. November beginnenden „16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“. Beide Anlässe zeigen, wie notwendig Gleichstellung und verlässliche Unterstützung sind. Laut Lohnsteuerstatistik 2024 verdienen Frauen in Kärnten bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung durchschnittlich 16,2 Prozent weniger als Männer. Das bedeutet eine Differenz von 10.685 Euro brutto im Jahr. Bei den Pensionen beträgt die Lücke sogar 38,8 Prozent: Frauen erhalten im Durchschnitt 1.552 Euro brutto, Männer 2.537 Euro. Sorgearbeit und familiäre Verpflichtungen führen zudem häufig dazu, dass Frauen ihre Erwerbsarbeit reduzieren. Die Teilzeitquote von Frauen liegt bei 47 Prozent. Für mehr finanzielle Unabhängigkeit braucht es deshalb faire Bezahlung, eine gerechtere Verteilung der Sorgearbeit und das Aufbrechen überholter Rollenbilder.
Bei Gewalt braucht es Schutz und schnellen Zugang zu Hilfe
Auch die Zahlen zum Gewaltschutz unterstreichen den Handlungsbedarf. Im Vorjahr betreute das Gewaltschutzzentrum Kärnten 1.345 Personen. 772 Fälle betrafen Gewalt in Partnerschaften; dabei waren 90,1 Prozent der Opfer Frauen. Zudem wurden 851 polizeiliche Betretungs- und Annäherungsverbote verhängt.
„Keine Frau soll Gewalt hinnehmen müssen oder mit ihrer Angst allein bleiben. Wer Hilfe sucht, muss ernst genommen werden und schnell Unterstützung erhalten“,
betont Lagger-Pöllinger. Deshalb macht das Land die Beratungsangebote sichtbar und stärkt jene Einrichtungen, die betroffenen Frauen Schutz und Halt geben.
Kostenlos, vertraulich und in ganz Kärnten erreichbar
Die Frauen- und Mädchenberatungsstellen bieten Unterstützung in einem geschützten Rahmen – kostenlos, anonym und vertraulich. Persönliche Beratung ist in allen Kärntner Bezirken möglich. Die Kärntner Beratungshotline für Frauen und Mädchen ist unter 0660 / 224 24 01 rund um die Uhr anonym und kostenlos erreichbar. Alle Beratungsstellen und weitere Informationen: frauen.ktn.gv.at/service/frauenberatung
Die Botschaft der Kampagne ist klar: Deine Frage ist es wert, gestellt zu werden. Weil du nicht alles alleine tragen musst.
