Studiengebühren: Reichmann fordert Leistung mit Augenmaß
Kärntens Hochschulreferent Peter Reichmann begrüßt die Diskussion über stärkere Anreize für einen zügigen Studienfortschritt, warnt aber vor neuen sozialen Hürden. Foto: LPD Kärnten/Wajand
Die bundesweite Diskussion über höhere Studiengebühren und strengere Vorgaben bei der Mindeststudienleistung hält Kärntens Hochschulreferent Peter Reichmann grundsätzlich für richtig. Entscheidend sei jedoch, die unterschiedlichen Situationen von Studierenden zu berücksichtigen und den Zugang zu Hochschulbildung weiterhin unabhängig vom Einkommen zu ermöglichen.
„Ich halte es für richtig, Anreize zu schaffen, ein Studium konsequent und in einem angemessenen Zeitraum zu absolvieren. Wer innerhalb der vorgesehenen Studienzeit studiert, muss sich aber darauf verlassen können, dass Bildung leistbar bleibt. Ein Studium darf keine Frage des Geldes sein“,
betont Reichmann.
Mehr Verbindlichkeit bei langen Studienzeiten
Nach Überschreiten der vorgesehenen Studienzeit plus Toleranzsemester werden für österreichische und EU-Studierende derzeit 363,36 Euro pro Semester fällig. Im aktuellen Vorschlag ist eine Anhebung auf 700 Euro vorgesehen. Für Studierende aus Drittstaaten sollen die Gebühren von derzeit 726,72 Euro auf 2.500 Euro steigen. Eine stärkere finanzielle Beteiligung bei einer deutlichen Überschreitung der vorgesehenen Studiendauer hält Reichmann grundsätzlich für diskutierbar.
„Wir investieren sehr viel Geld in unsere Hochschulen und ermöglichen damit hervorragende Ausbildung, für die wir auch internationales Ansehen genießen. Es ist daher richtig, Verbindlichkeit einzufordern. Der Steuerzahler muss nicht unbegrenzt für Studien aufkommen, die weit über die vorgesehene Dauer hinausgehen“,
so Reichmann. Gleichzeitig brauche es weiterhin Ausnahmen für Studierende, die ihr Studium aus nachvollziehbaren Gründen nicht in der vorgesehenen Zeit absolvieren können. Dazu zählen für Reichmann etwa Betreuungspflichten, Krankheit oder besondere soziale Situationen.
Internationale Studierende als Fachkräfte gewinnen
Bei Studierenden aus Drittstaaten warnt Reichmann davor, die Debatte ausschließlich über höhere Gebühren zu führen. Gerade angesichts des Fachkräftebedarfs müsse Österreich ein Interesse daran haben, gut ausgebildete internationale Absolventinnen und Absolventen nach dem Studium im Land zu halten.
„Wir haben junge Menschen aus aller Welt an unseren Hochschulen, bilden sie hervorragend aus und brauchen gleichzeitig dringend qualifizierte Fachkräfte. Deshalb sollten wir beides zusammendenken“,
erklärt Reichmann. Sein Vorschlag: Internationale Studierende, die sich verpflichten, nach ihrem Abschluss für einen festgelegten Zeitraum in Österreich zu arbeiten und damit zum Wirtschafts- und Sozialsystem beizutragen, sollen bei den Studiengebühren österreichischen Studierenden gleichgestellt werden.
Wer diese Möglichkeit nicht in Anspruch nimmt und Österreich nach dem Studium wieder verlässt, könne hingegen einen höheren finanziellen Beitrag zur Ausbildung leisten.
„Soziale Hürden dürfen nicht aufgebaut werden“
Für Reichmann müsse eine Reform daher zwei Ziele miteinander verbinden: mehr Verbindlichkeit im Studium und gleichzeitig ein offenes, sozial ausgewogenes Hochschulsystem.
„Unser Ziel muss sein, die klügsten Köpfe nach Österreich und nach Kärnten zu holen – und ihnen gute Gründe zu geben, hierzubleiben. Leistung und Verbindlichkeit einzufordern ist richtig. Aber wir dürfen dabei weder soziale Hürden aufbauen noch jene jungen Menschen abschrecken, die wir für die Zukunft unseres Standortes dringend brauchen“,