Sicherheit für Rattendorf und Waidegg: 14 Millionen Euro für den Hochwasserschutz an der Gail

Nach den massiven Dammbrüchen beim Hochwasser 2018 läuft das Schutzprojekt „Gail, Rattendorf-Waidegg“ auf Hochtouren. Mit der Sanierung der Dämme und dem anstehenden Neubau der Waidegger Gailbrücke investieren Bund und Region rund 14 Millionen Euro in den Schutz der Bevölkerung.
Das Hochwasser im Oktober 2018 hat schmerzlich aufgezeigt, wo die Schwachstellen im Hochwasserschutz an der Gail lagen. Durch Dammüberströmungen und innere Erosion kam es zu folgenschweren Dammbrüchen. Besonders kritisch war die Situation direkt unterhalb der Waidegger Gailbrücke. Ein dortiger Dammbruch führte zu einer unkontrollierten Flutung des Rückhalteraumes Rattendorf. Um die Region nachhaltig vor zukünftigen Katastrophen zu schützen, wurde ein umfassendes, Hochwasserschutzprojekt ins Leben gerufen, das sich bereits in der finalen Umsetzung befindet.
Auch seitens des Bundes wird die wesentliche Bedeutung des Projekts unterstrichen. „Der Schutz von Menschen, Infrastruktur und Siedlungen vor Naturgefahren hat für uns oberste Priorität. Mit den gezielten Investitionen an der Gail stärken wir die Sicherheit der Bevölkerung nachhaltig, beseitigen mit dem Brückenneubau gefährliche Engstellen und setzen konsequent auf die notwendige Klimaanpassung. Dieses Projekt zeigt, dass ein zukunftsfittes Hochwasserrisikomanagement eine unverzichtbare Investition in den Schutz und die Lebensqualität unserer ländlichen Regionen ist.“, erklärt Bundesminister Norbert Totschnig.

„Die Umsetzung eines zeitgemäßen und zuverlässigen Hochwasserschutzes für den Ortsbereich Rattendorf hat für uns alle Priorität. Das Hochwasser 2018 hat deutlich gezeigt, welche Auswirkungen solche Ereignisse für die Bevölkerung haben können. Umso wichtiger ist es, daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen und langfristig vorzusorgen. Mit diesem Großprojekt schaffen wir mehr Sicherheit für die Menschen und stellen den Hochwasserschutz in der Region für die kommenden Jahrzehnte auf eine solide Basis. Jeder Euro, den wir in den Hochwasserschutz investieren, ist eine Investition in mehr Sicherheit“,

betont Landesrätin Marika Lagger-Pöllinger den Stellenwert dieses Großprojekts.

„Mit dem Neubau wird nun die vierte und letzte Gailbrücke in unserem Gemeindegebiet erneuert. Besonders wichtig ist, dass die neue Brücke ohne Pfeiler im Flussbett auskommt. Dadurch wird ein wesentliches Hindernis bei Hochwasser beseitigt. Wir hoffen, dass wir mit diesem Bauwerk die Hochwassersicherheit für unsere Bevölkerung weiter entscheidend verbessern können. Die Maßnahmen entlang der Gail waren für unsere Gemeinde über die vergangenen 18 Jahre auch finanziell eine enorme Herausforderung. Umso dankbarer bin ich allen Beteiligten, insbesondere der Wasserwirtschaft des Landes, für die professionelle Abwicklung und Umsetzung“,

betont Kirchbachs Bürgermeister Markus Salcher.

Drei Bauabschnitte für maximalen Schutz

Insgesamt knapp 14 Millionen Euro fließen in die drei Bauabschnitte, um den Raum Rattendorf-Waidegg bis zu einem 100-jährlichen Hochwasserereignis (HQ100) inklusive ausreichendem Freibord abzusichern:
  • Bauabschnitt 01 (€ 2,26 Mio.): Auf einer Länge von zwei Kilometern wurde der Schutzdamm erhöht und der Untergrund abgedichtet. Zudem sichert eine neue Überströmstrecke die planmäßige Funktion des Hochwasserrückhaltes.
  • Bauabschnitt 02 (€ 5,65 Mio.): Durch ergänzende Schutzmaßnahmen flussaufwärts wird das Sicherheitsniveau für die umliegenden Ortschaften komplettiert.
  • Bauabschnitt 03 (€ 6,00 Mio.): Aktuell im Bau befindet sich die Sanierung des linksufrigen Hochwasserdammes auf einer Länge von rund 2,1 Kilometern.

Nadelöhr Waidegger Gailbrücke wird beseitigt

Ein wesentlicher Risikofaktor des alten Schutzsystems war die bestehende Waidegger Gailbrücke. Mit ihren fünf Feldern und vier Pfeilern entsprach sie nicht mehr dem Stand der Technik. Die schmalen Brückenfelder begünstigten Verklausungen durch Treibholz und führten bei Hochwasser zu einem massiven Uferangriff.
Dieses Schadensrisiko wird nun durch den modernen Neubau nun komplett beseitigt. Damit der Verkehr während der Brückenbauarbeiten ungehindert fließen kann, wurde eine Behelfsbrücke eingerichtet. Diese wurde von der Abteilung 9 (Straßen und Brücken) des Landes Kärnten zur Verfügung gestellt und in enger Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Bundesheer aufgebaut. Nach der Fertigstellung geht die neue Brücke in das Eigentum der Marktgemeinde Kirchbach über, die auch die zukünftige Erhaltung übernimmt.

Starke Finanzierungspartnerschaft

Die Abwicklung des gesamten Projekts erfolgt durch das Land Kärnten (Abteilung 3, Unterabteilung Wasserwirtschaft Hermagor). Finanziert wird das Bauvorhaben über den Gailfinanzierungsschlüssel: Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft übernimmt 83 Prozent der Kosten, die verbleibenden 17 Prozent werden von den Gailinteressenten getragen.
Quelle: LPD Kärnten