Nicht weniger Mensch, sondern mehr Zeit: Kärnten startet KI-Sprachbot
Christian Inzko (Leiter Landes IT); Bezirkshauptmann Heinz Pansi und LH Daniel Fellner. Foto: LPD Kärnten/Steinacher
Welche Zahlungsfrist gilt? Was passiert, wenn eine Verkehrsstrafе nicht bezahlt wird? Und an wen kann man sich mit einem besonderen Anliegen wenden? Auf solche Fragen gibt der neue Sprachbot ab sofort automatisiert Auskunft – rund um die Uhr, mehrsprachig und auch in unterschiedlichen Dialekten.
„Niemand freut sich über eine Verkehrsstrafе. Aber jeder Mensch hat Anspruch darauf, rasch, verständlich und unkompliziert Auskunft zu bekommen“,
betont Landeshauptmann Daniel Fellner.
„Der Sprachbot erleichtert den Bürgerinnen und Bürgern den Amtsweg und entlastet gleichzeitig unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“
KI unterstützt – der Mensch entscheidet
Der Sprachbot beantwortet häufig gestellte Fragen und übernimmt wiederkehrende Routineaufgaben. Sobald eine individuelle oder rechtliche Beurteilung notwendig ist, wird das Anliegen an die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergeleitet.
„Künstliche Intelligenz trifft keine Entscheidungen und ersetzt keine Beschäftigten. Sie übernimmt Routinearbeiten und schafft damit mehr Zeit für jene Fälle, in denen persönliche Beratung und menschliche Verantwortung gefragt sind“,
stellt Fellner klar. Sein Grundsatz für die digitale Verwaltung lautet deshalb: Nicht weniger Mensch, sondern mehr Zeit.
Kärnten übernimmt eine Vorreiterrolle
Mit dem neuen System nehmen Kärnten und die Bezirkshauptmannschaft Hermagor österreichweit eine Vorreiterrolle ein. Die BH Hermagor entwickelt bereits seit Jahren digitale Lösungen für die Bearbeitung von Verkehrs-, Maut- und Parkstrafen. Mehrere dieser Anwendungen wurden inzwischen auch von anderen Bundesländern übernommen.
Jährlich werden dort rund 500.000 Verwaltungsstrafakte bearbeitet. Etwa ein Drittel der Verfahren hat einen Auslandsbezug. Die BH Hermagor wickelt neben Geschwindigkeitsdelikten auch sämtliche Mautverfahren sowie Parkdelikte mit und ohne Auslandsbezug ab.
„Die Bezirkshauptmannschaften sind für viele Menschen der wichtigste direkte Kontakt zur Landesverwaltung. Deshalb müssen wir Amtswege so einfach, verständlich und zeitgemäß wie möglich gestalten“,
erklärt Fellner.
Mehr als 1.850 Anrufe in der Testphase
Seit dem Start der intensiven Testphase am 1. Mai 2026 hat der Sprachbot bereits mehr als 1.850 Anrufe bearbeitet. Die durchschnittliche Gesprächsdauer lag bei rund zwei Minuten. Die dabei gewonnenen Erfahrungen werden genutzt, um das System laufend weiterzuentwickeln und noch besser an die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger anzupassen. Besonderes Augenmerk gilt dem Datenschutz und der Datensicherheit. Sämtliche Anfragen werden verschlüsselt verarbeitet und ausschließlich innerhalb der Infrastruktur des Landes gespeichert.
Moderne Verwaltung bleibt menschlich
Für Fellner ist der Sprachbot kein Selbstzweck, sondern ein konkretes Serviceangebot: Bürgerinnen und Bürger erhalten schneller Auskunft, während den Beschäftigten mehr Zeit für komplexe Anliegen und persönliche Unterstützung bleibt.
„Eine moderne Verwaltung muss effizient, leicht erreichbar und bürgernah sein. Gleichzeitig muss sie menschlich bleiben. Genau dafür setzen wir neue Technologien verantwortungsvoll ein“,