27. Oktober 2025
Nationalfeiertag: Gedenkveranstaltung am Friedhof Annabichl
Am Nationalfeiertag fand wieder die Gedenkveranstaltung für Opfer des Nationalsozialismus am Friedhof Annabichl statt. Auch Landeshauptmann Peter Kaiser nahm an der Kranzniederlegung beim Mahnmal der „Opfer für ein freies Österreich“ teil. I
n seiner Ansprache ging er insbesondere auf den Begriff Neutralität ein, den er in unserer heutigen Zeit als aktiven, Verantwortung übernehmenden Faktor sieht. Alljährlich organisiert wird die Gedenkveranstaltung vom Verein Memorial Kärnten – Koroška, das heurige Generalthema war Euthanasie in der NS-Zeit.
Kaiser sagte, dass 2025 ein intensives Gedenkjahr in Kärnten sei. Man erinnere an 80 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg, 70 Jahre Staatsvertrag und 30 Jahre EU-Beitritt. Neutralität werde in der österreichischen Identität als Sicherheit und Beibehaltung des Friedens verstanden.
„Die Welt verändert sich aber gerade dramatisch, Bündnisse wanken, Werte werden über Bord geworfen, die Demokratie sieht sich permanenten Angriffen gegenüber“,
sagte der Landeshauptmann.
Daher gelte es, den Begriff Neutralität in die heutige Zeit zu transferieren:
„Früher war es ein Schutzbegriff, bedeutete, nicht Partei zu ergreifen. Heute müssen wir aber Verantwortung übernehmen – für den Schutz der Bevölkerung, die Sicherheit unserer liberalen Demokratie, die Gewaltentrennung. Wir müssen verteidigungsfähig sein gegen Angriffe von außen“,
so Kaiser.
Gründungsziel der EU sei der Friede gewesen, auch dafür müsse man sich aktiv einsetzen, die Sicherheit und Verteidigung Europas großschreiben.
Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider sagte, dass das Zusammenstehen am Nationalfeiertag besonders wichtig sei. Er appellierte dafür, den Blick nach vorne zu richten – für Verantwortung, Freiheit und Solidarität in unserem gemeinsamen Zuhause. Scheider hob die Pflicht hervor, das Gedenken an die NS-Opfer aufrecht zu erhalten. Auch der Widerstand mutiger Männer und Frauen gegen das NS-Regime dürfe nicht vergessen werden. „Die Erinnerung muss uns Mahnung für die Zukunft sein“, so der Bürgermeister, der Memorial Kärnten – Koroška für die wertvolle Arbeit dankte.
Die Gedenkrede hielt heuer Herwig Oberlerchner, ehemaliger Primarius an der Abteilung für Psychiatrie und Psychosomatik am Klinikum Klagenfurt und Buchautor. Er sprach über seine Familiengeschichte, in der sowohl NS-Opfer als auch NS-Täter vorkommen, über das transgenerationale Schweigen und wie heilsam es ist, dieses zu durchbrechen. Ca. 1.000 Akten der Kärntner Euthanasieopfer seien „trotz Oskar Kauffmann, Sigbert Ramsauer, Otto Scrinzi, Franz Palla und Viktor Hiess“ erhalten geblieben, so Oberlerchner. Mindestens 568 Zwangssterilisationen seien in der NS-Zeit in Kärnten durchgeführt worden. „739 Menschen wurden nach Hartheim deportiert und dort je nach Kapazität des Vergasungsraumes und Verbrennungsofens getötet. Weitere 500-700 Opfer wurden im Gaukrankenhaus Klagenfurt umgebracht“, sagte der ehemalige Primarius.
Lucas Tschinkel, stellvertretender Schulsprecher am Ingeborg-Bachmann-Gymnasium, präsentierte sein Friedensmanifest anlässlich des Erinnerungsjahres 2025. Er verwies auf Ingeborg Bachmann, die „der oft sintflutartigen Negativität immer wieder ein großes Trotzdem entgegengestellt“ habe.
„Wenn jeder seinen Beitrag, einen kleinen Beitrag leistet, funktioniert Friede“,
ist der 17-Jährige überzeugt.
Alexander Petritz, Vorsitzender von Memorial Kärnten – Koroška, sagte, dass es heute mehr denn je gelte, gegen Faschismus, Rassismus und Antisemitismus aufzutreten. In seinen Grußworten hob er die Bedeutung des militärischen, politischen und gesellschaftlichen Widerstands der Kärntner Slowenen gegen das NS-Regime hervor. Namens von Memorial Kärnten – Koroška forderte er die konsequente und lückenlose Aufklärung rund um den Einsatz am Peršmanhof und die jüngsten Ortstafelbeschmierungen.
Der Verein Memorial Kärnten – Koroška wurde im Jahr 2000 gegründet und versteht sich als Plattform gegen das Wiederaufleben von Faschismus, Rassismus und Antisemitismus. Das Mahnmal der „Opfer für ein freies Österreich“ wurde Mitte der 1960er-Jahre errichtet. 2015 erfolgte durch Memorial Kärnten – Koroška und in Absprache mit dem Künstler Valentin Oman die Neugestaltung. Am Mahnmal befinden sich die bisher erforschten Namen von 3.175 Opfern des Nationalsozialismus in Kärnten.
Die musikalische Umrahmung der Gedenkveranstaltung erfolgte durch Emil Krištof, Tomaž Nedoh und Aleksander Ipavec, die Moderation durch Mirjam Zwitter-Šlemic.
Infos unter: https://www.memorial-mkk.at/
Quelle: LPD Kärnten
