Landtag 1: Emotionale Amtsniederlegung vom Ersten Landtagspräsidenten Reinhart Rohr

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“,

diese musikalischen Klänge von Udo Jürgens lassen den ehemaligen Landtagspräsidenten Reinhart Rohr im Landhaushof hochleben.
Rohr feiert diesen ehrenwerten Geburtstag zwar erst morgen Freitag, dennoch wird er heute gebührend gefeiert. Der Anlass: Die sogenannte Amtsniederlegung, wenn Rohr nach zwölf Jahren sein Amt als Erster Landtagspräsident im Kärntner Landtag zurücklegt.
 
Udo Jürgens und Marschmusik, dargebracht von der Militärmusikkapelle Kärnten unter der Leitung von Oberst Dietmar Pranter. Alle sind gekommen, um den Ersten Landtagspräsidenten a.D. Reinhart Rohr gebührend aus dem Politleben zu verabschieden.

Harte Diskussion und Respekt

„Handschlagqualität und der Einsatz für die Kärntner Bevölkerung haben die langjährige politische Laufbahn von Reinhart Rohr geprägt“,

so der Zweite Landtagspräsident Christoph Staudacher in seiner Grußbotschaft an Reinhart Rohr.
Es habe harte Diskussionen gegeben, aber immer geprägt von Respekt und Wertschätzung, so Staudacher weiter. Er dankt Rohr auch für dessen Unterstützung als er zum Zweiten Landtagspräsidenten ernannt wurde.
 
Scherwitzl, er folgte Rohr wenige Stunden später in dessen Funktion nach und wurde zum Ersten Landtagspräsidenten ernannt, streicht hervor, dass es Rohr gelungen ist, nach turbulenten politischen Jahren das

„politische Klima zu normalisieren“. 

Auch die Öffnung des Landtages für Schülerinnen und Schüler sei ein Meilenstein in Rohrs langjähriger politischer Laufbahn:

„Mit dem Tor zur Demokratie, einer Ausstellung zur politischen Bildung unserer Jugend, ist Rohr Herausragendes gelungen“,

so Scherwitzl weiter.
Ein weiteres sichtbares Zeichen, das Rohr hinterlässt, ist der neugestaltete Landhaushof und das dazugehörige Lichtkonzept sowie die Barrierefreiheit mit Lifteinbau im Landhaus.
 
Landeshauptmann Peter Kaiser überreicht dem sichtlich gerührten Rohr eine besondere Auszeichnung: Im Auftrag von Bundespräsident Alexander Van der Bellen bekommt Rohr das Große Silberne Ehrenzeichen am Bande für die Verdienste um die Republik Österreich.

„Das ist die dritthöchste Auszeichnung der Republik Österreich“, so Kaiser, der Rohr für 45 Jahre Freundschaft und Verbundenheit dankt.

 
162 Landtagssitzungen hat Rohr geleitet, heute hat er seine letzte Rede im Plenum gehalten, lässt 12,5 Jahre als Erster Landtagspräsident sowie 33,5 Jahre als Politiker in Bundesrat, Landesregierung und Landtag Revue passieren. Sein Mandat hat er gestern zurückgelegt.
 
Die Tribüne ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Es ist eine feierliche Landtagssitzung, neben Rohrs politischem Abschied werden Andreas Scherwitzl als Erster Landtagspräsident, Marika Lagger Pöllinger als Dritte Landtagspräsidentin sowie Peter Reichmann als neuer Landesrat und Manuel Müller, Bürgermeister in Paternion, als Abgeordneter zum Kärntner Landtag (er rückt auf Rohrs Mandat im Wahlkreis Villach Land) angelobt.
 
Dann blickt Rohr noch einmal zurück und spricht über Meilensteine und Herausforderungen der letzten Jahrzehnte, und das ohne Redezeitbeschränkung, wie der zweite Landtagspräsident Staudacher schmunzelnd festhält.
 

„Vor 40 Jahren, als junger Mann, frisch in der Politik, beobachtete ich oftmals die hitzigen Debatten im Landtag und stellte mir vor, welche Ehre es ist, einer dieser 36 Abgeordneten zu sein, die Kärntnerinnen und Kärntner zu repräsentieren und mitgestalten zu dürfen“,

so Rohr. 
 
In seiner persönlichen Bilanz nennt Rohr viele Zahlen: Er habe 195 Kolleginnen und Kollegen als Abgeordnete, 41 Bundesrätinnen und Bundesräte, 68 Nationalratsabgeordnete auf Kärntner Mandaten in Wien erlebt. 
 
Rohr streicht einige wichtige Meilensteine hervor: Projekte wie der Vollausbau der Autobahnumfahrung Klagenfurt, die Neuaufstellung der Bedarfszuweisungen an die Gemeinden, die Neuausrichtung der Schulbaufonds, die Neuschaffung des Wasserwirtschaftsfonds, die Sicherung der Kärntner Wasserversorgung mit der Gründung Stiftung Wasser.

Herzensprojekt Politische Bildung

Rohr hob sein persönliches Herzensprojekt hervor:

„Nach der Landtagswahl 2023 war es mir ein großes Anliegen, den jungen Menschen unseres Landes die liberale Demokratie und das politische Geschehen zu vermitteln. Mit der Ausstellung im Landhaus, dem „Tor zu Demokratie“, konnten wir bis dato 23.464 Besucherinnen und Besucher zählen.“ 

 
Rohr werde künftig in der Öffentlichkeit etwas leiser treten, und er freut sich,

„dass eine Generation nachrückt, die ihren Auftrag kennt und sich mit großer Verantwortung und Energie ihren Aufgaben widmen wird – dafür wünsche ich alles erdenklich Gute und viel Erfolg.“

Und weiter:

„Respekt, Begegnung auf Augenhöhe und Wertschätzung waren mir immer sehr große Anliegen im persönlichen Umgang und in der Debatte. Es braucht Dialog und Kompromissbereitschaft für die Menschen in Kärnten – ich bitte alle, das auch in Zukunft zu beherzigen, denn dann mache ich mir um unser Kärnten keine Sorgen.“

 
Und wie singt schon Udo Jürgens… „mit 66 Jahren, ist noch lang noch nicht Schluss“. Einen Bademantel mit dieser Liedzeile hat Reinhart Rohr von Oberst Pranter und der Kärntner Militärmusik überreicht bekommen. Und weil Rohr nicht nur ein begeisterter Sänger, sondern auch Imker ist: Clubobmann Markus Malle überreichte Rohr einen Gutschein für ein Bienenvolk mit Königin.
Mit Standing Ovations endete Rohrs Abschiedsrede und letzter Tag im Plenum des Kärntner Landtags.
Quelle: LPD Kärnten