Gestern, Montag, wurde ein weiteres Vermächtnis einer großen Künstlerin als Ort für die Nachwelt zugänglich gemacht. Kulturreferent Landeshauptmann Peter Kaiser eröffnete die Schaffensräume einer der bedeutendsten Künstlerinnen des 20. und frühen 21. Jahrhunderts.
Maria Lassnigs Atelier in der Klagenfurter Klostergasse im zweiten Obergeschoß, in dem sie nach ihrem Studium von 1944 bis 1951 rund sieben Jahre lang arbeitete, wurde nicht nur saniert, die Räumlichkeiten werden durch das Engagement der Hausbesitzerin, Maria Nicolini und der Kooperation des Landes Kärnten, der Stadt Klagenfurt, des Tourismusverbandes Klagenfurt sowie der Lassnig-Stiftung dauerhaft öffentlich zugänglich und werden mit Leben erfüllt. Geplant sind etwa Vorträge, Lesungen, Symposien, Workshops und öffentliche Gesprächsrunden.
„Das Schaffen Maria Lassnigs, einer außergewöhnlichen Kunst- und Kulturschaffenden, bekommt einen erlebbaren Raum, zugänglich und nachhaltig für alle. Es ist unsere Aufgabe, großartiges Wirken aus Lebzeiten für Nachwelten zu erhalten und entsprechend zu präsentieren, um Erinnerung, Bildung und Freude an Kunst und Kultur, an ihren Schätzen, allgegenwärtig zu ermöglichen“,
fasst Kaiser zusammen.
Das Atelier war aber nicht nur Ort des Schaffens von Maria Lassnig, es war in den Nachkriegsjahren auch Treffpunkt für Maler und andere Kunst- und Kulturschaffende. Lassnigs Werke selbst geben immer wieder Blicke auf dieses Atelier frei.
„Für mich ist es eine große Freude, dass ihr Klagenfurter Atelier mit dem heutigen Tag, dem 106. Geburtstag der Künstlerin, zu einem öffentlichen Ort wird, der die Bevölkerung einlädt, in Lassnigs Welt einzutauchen. Es ist uns gelungen, an diesem einstigen Treffpunkt der intellektuellen Avantgarde einen kulturellen Anziehungspunkt zu schaffen. Die Öffnung des Maria Lassnig Ateliers ist ein weiteres kulturelles Highlight mit internationaler Strahlkraft, eine besondere Aufwertung für Klagenfurt und Kärnten“,
betont Kaiser.
Kuratiert wurde die Ausstellung, die sich ebenso im Atelier befindet, von Natalie Lettner, auch Biografin Maria Lassnigs.
Es ist dies das vierte kulturelle Highlight, das das Land für die Nachwelt erhält: Durch den Ankauf des Hauses der Familie Bachmann konnte das Ingeborg Bachmann Museum entstehen, ihre private Bücherei wurde der Alpen Adria-Universität zur Verfügung gestellt und dank der Kooperation mit den Kindern von Udo Jürgens wird dessen Leben und Schaffen ab 2027 als Dauerausstellung im kärnten.museum zu erleben sein. Schon im Frühjahr wurde das neue Kunsthaus in Gmünd eröffnet.
Zu verdanken sei, so Kaiser, die Bewahrung eines weiteren Kulturschatzes der Hauseigentümerin, Maria Nicolini. Sie hat das Gebäude vor dem Abriss bewahrt, restauriert und auch umgebaut.
War es 1945 schon Hotspot für die Avantgarde und geschützter Ort, blieb es quasi als Ruine stehen, als 1979 die Bürgerhäuser am Heiligengeistplatz geschleift worden sind. Die Familie Nicolini kaufte diese Ruine und hat das Atelier im Original restauriert.
Brigitte Winkler-Komar verwies auf den Prozess der Entstehung dieses Projektes und die Dauer bis zur Umsetzung.
„Aber wir haben schlussendlich einen großartigen Ort für die Öffentlichkeit geschaffen, machen das Leben und Schaffen der Künstlerin hier auch mulitmedial erlebbar, sehen die Frühwerke und ihr gesamtes Leben. Mit 12. September sind diese Räumlichkeiten der Öffentlichkeit zugänglich“,
so die Leiterin der Kulturabteilung des Landes.
Die Maria Lassnig Privatstiftung hat ein Ausstellungskonzept erarbeiten lassen, umgesetzt von Land, Stadt, Museum Moderner Kunst und der Stadtgalerie.
„Die Bedeutung dieses Ortes ist für seine Zeit einzigartig! Maria Nicolini hat diesen Ort gerettet, der einer der bedeutendsten in ganz Österreich ist, was den künstlerischen Austausch betrifft. Ohne Maria Lassnig hätte sich die österreichische Kunst noch schwerer getan, sich nach der totalitär verursachten Isolation wieder in die Welt der Moderne zu bewegen“,
ist Peter Pakesch, Vorsitzender der Maria Lassnig Stiftung, überzeugt.
Auch den Bildungsauftrag, den Kultur mit sich bringe, so Kaiser, werde man künftig in diesem Atelier gerecht. Denn für Schulen werden Kärnten weit Vermittlungspakete geschnürt und angeboten, um die jungen Menschen an Kunst und Kultur heranzuführen, ihre Kreativität zu fördern und um Kooperationen entstehen zu lassen über „culture connected“.
Maria Lassnigs 130 Quadratmeter großes Atelier wurde vom Land und der Stadt Klagenfurt langfristig angemietet, um es nun, generalsaniert, der Öffentlichkeit im Rahmen von Workshops, Ausstellungen, Lesungen oder Symposien zugänglich zu machen.
„Mit der Eröffnung des Maria-Lassnig-Ateliers setzen wir ein kraftvolles Zeichen für die Sichtbarkeit und Wertschätzung einer der prägendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Das Atelier wird zu einem lebendigen Ort der Kreativität, des Austauschs und der Inspiration und bereichert die Kulturlandschaft unserer Stadt nachhaltig“,
hält Klagenfurts Kulturreferent Franz Petritz fest.
Die Gesamtkosten der öffentlichen Hand von 90.000 Euro für die Ausstellung (Adaptierungsmaßnahmen, Konzept & Umsetzung) werden zu je einem Drittel vom Land Kärnten, der Stadt Klagenfurt und dem Tourismusverband Klagenfurt getragen. Die Maria Lassnig Stiftung ist ebenso mit einem finanziellen Beitrag am Projekt beteiligt. Land und Stadt übernehmen die Miete (1.600 Euro/Monat) sowie entstehende Kosten für das Objekt zu gleichen Teilen. Auch allfällige Personalkosten für den Betrieb werden von Stadt und Land geteilt.
Maria Lassnig Atelier, Klostergasse 1, 9020 Klagenfurt
Öffnungszeiten ab 12. September 2025: Do und Fr 10-16 Uhr; Sa 10-14 Uhr
Quelle: LPD Kärnten