Am Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Loibl-Nord setzten diesen Samstag die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der internationalen Gedenkveranstaltung ein deutliches Zeichen der Erinnerung. Durch diese wiederkehrende Veranstaltung soll das lange Zeit „vergessene“ Außenlager von Mauthausen ins Gedächtnis der Bevölkerung gerufen werden. Organisiert und durchgeführt wird die Gedenkfeier vom Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška.
Landeshauptmann Peter Kaiser legte im Vorfeld der Veranstaltung einen Kranz beim Tunnelportal an der österreichisch-slowenischen Grenze nieder. In seiner Ansprache erinnerte der Landeshauptmann, dass 2025 für 80 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg, 70 Jahre Unterzeichnung des Staatsvertrages und 30 Jahre EU-Mitgliedschaft Österreichs steht.
„Die Gedenkkultur zu pflegen, wird jeden Tag wichtiger, da es immer weniger Zeitzeugen gibt. Unsere Aufgabe als Nachkommen dieser Generation ist es, zu erinnern welche abscheulichen Taten von Menschen begangen wurden. Die Internierten haben unter schrecklichsten Bedingungen den Loibl-Tunnel errichten müssen. Heute steht dieses Bauwerk symbolisch für zwei Länder, die vorleben wie man in einem geeinten Europa zusammenwachsen kann“,
betonte Kaiser
und warnte vor Strömungen, die demokratische Grundwerte, die Menschlichkeit und länderübergreifenden Zusammenhalt in Frage stellen. Hinsichtlich der Errichtung einer würdigen Gedenkstätte am Nordportal des Loibl-Tunnels zeigte sich Kaiser optimistisch.
„Ich bin überzeugt, dass wir in absehbarer Zeit einen würdigen Ort der Erinnerung haben werden“,
sagte Kaiser.
In seiner Gedenkrede mahnte Altbundespräsident Heinz Fischer ein, von der Geschichte zu lernen.
„Man kann aus der Geschichte lernen – muss es aber auch wollen. Wir wissen über die Vergangenheit viel, aber für die Zukunft können wir maximal Prognosen erstellen. Die Erkenntnisse aus der Geschichte ermöglichen uns jedoch, gefährliche Strömungen, die unserer demokratischen Grundwerte in Frage stellen oder das gesellschaftliche Zusammenleben gefährden, vorab zu erkennen“,
erörterte Fischer und warnte:
„Die Demokratie ist zwar stark, aber nicht unzerstörbar“.
Manfred Morokutti rief in Erinnerung, dass das Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška vor dreißig Jahren gegründet wurde und die Bewusstseinsbildung eine zentrale Aufgabe des Vereins sei.
„Unser Ziel ist es, jungen Menschen das Rüstzeug zu geben, um mit Antisemitismus, Rechtsextremismus und Propaganda umgehen zu können. Das KZ Loibl soll nicht nur ein Ort der Erinnerung sein, sondern auch ein Ort zum Nachdenken, an dem gezeigt wird, zu welchen schrecklichen Taten Menschen fähig sein können“,
führte Morokutti aus.
Claude Simon, Präsident Amicale de Mauthausen, wandte sich mit einer Grußbotschaft an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkveranstaltung. Saša Jese, Enkelin von Janko Tišler, sprach als Nachkommin eines Zeitzeugen.
Als „Stimme der Jugend“ kamen Tamara Joainig und Emilija Pirker vom Verein Lila Winkel zu Wort. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Silvia Igerc und Arthur Ottowitz. Für die Moderation waren Petra Erian und Daniel Wutti verantwortlich.
Der Gedenkveranstaltung wohnten unter anderem Nationalratsabgeordnete Olga Voglauer, der Klagenfurter Stadtrat Franz Petritz, die Ferlacher Vizebürgermeisterin Monika Klengl, Maja Balant Slobodjanac, slowenische Generalkonsulin in Klagenfurt und Wolfgang Muchitsch, Direktor des kärnten.museum, bei.
Das Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška wurde 1995 von engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Klagenfurt unter der Leitung von Prof. Peter Gstettner ins Leben gerufen. Zu den wichtigsten Zielen zählen die Errichtung einer würdigen Gedenkstätte beim KZ Loibl-Nord sowie die Pflege von Erinnerungsarbeit in Form von Gedenkveranstaltungen, Exkursionen und öffentlichen Vorträgen.
Der Klagenfurter Stadtrat Franz Petritz, Altbundespräsident Heinz Fischer, die Ferlacher Vizebürgermeisterin Monika Klengl und LH Peter Kaiser (Fotohinweis: LPD Kärnten/Just)Gedenkveranstaltung mit LH Peter Kaiser und Altbundespräsident Heinz Fischer (Fotohinweis: LPD Kärnten/Just)