22. September 2025
Hohe Landesauszeichnung für früheren Landesgerichtspräsidenten Bernd Lutschounig
Als Präsident des Landesgerichts Klagenfurt wurde Bernd Lutschounig mit 1. September von Manfred Herrnhofer abgelöst. Aus diesem Anlass fand vergangenen Freitag im Schwurgerichtssaal des Landesgerichts ein großer Festakt statt. Landeshauptmann Peter Kaiser verlieh Lutschounig gemeinsam mit LHStv.in Gaby Schaunig, LHStv. Martin Gruber und Landtagspräsident Reinhart Rohr das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Kärnten. Von Justizministerin Anna Sporrer erhielt der in den Ruhestand getretene Präsident das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.
Kaiser dankte Lutschounig für alles, was er für die Justiz, für Kärnten und Österreich geleistet habe. Seinem Nachfolger Herrnhofer gratulierte er und wünschte ihm alles Gute. Der Landeshauptmann hob die Bedeutung der Justiz im Rahmen der Gewaltentrennung hervor.
„Wir müssen alles tun für eine unabhängige Justiz, die auch Garantie für unsere liberale Demokratie ist“,
betonte er und verwies darauf, dass es gerade die Unabhängigkeit der Justiz sei, die
„einer der ersten Angriffspunkte von autoritärem Gedankengut“ sei.
Ministerin Sporrer dankte Lutschounig, der immer mit Umsicht, fachlicher Exzellenz und Führungsstärke gewirkt habe. Unter anderem hob sie hervor, dass er die Hypo-Causa unaufgeregt, mit Ruhe und Beharrlichkeit gemeinsam mit seinem Team bearbeitet habe.
Nachfolger Herrnhofer sprach sie zu, dass ihm die Öffnung und Modernisierung der Justiz am Herzen liegen. In ihrer Rede betonte Sporrer außerdem, dass sie sich um die dringend notwendige Generalsanierung des Landesgerichtsgebäudes bemühen und für die Sicherung der zweisprachigen Gerichtsbarkeit in Kärnten einsetzen wolle.
„Die zweisprachige Gerichtsbarkeit ist ein Ausdruck des Respekts vor der Volksgruppe und der Anerkennung ihrer Rechte“,
sagte sie.
Auch LHStv. Martin Gruber würdigte im Rahmen der Veranstaltung die Leistungen von Lutschounig. „In seiner Funktion als Landesgerichtspräsident hat Bernd Lutschounig das Haus seit 2011 mit großem Engagement und Fachkompetenz geführt und damit wesentlich zur hohen Reputation der Justiz in Kärnten beigetragen. Ich danke ihm im Namen des Landes für seine verantwortungsvolle Arbeit“, so Gruber. „Für seinen neuen Lebensabschnitt wünsche ich ihm vor allem Gesundheit, Zeit für seine Familie und die Möglichkeit, seinen privaten Interessen und Hobbys nachzugehen“, so der Landeshauptmann-Stellvertreter, der gleichzeitig Manfred Herrnhofer zu seiner Amtseinführung gratulierte und ihm bei der Führung des Landesgerichts sowie für alle kommenden Herausforderungen viel Kraft und Erfolg wünschte.
Lutschounig zog über mehr als vierzig Jahre in der Justiz Bilanz und dankte allen, die ihn während seiner Amtsführung unterstützt haben. Er hoffe, dass die Generalsanierung des Landesgerichts und eine Reform der Struktur der Bezirksgerichte gelingen werden. Vor allem führte er aus, dass Richterinnen und Richter in ihren umfangreichen Aufgaben zu entlasten seien, was Verfahren weiter beschleunigen und eine noch stärkere Professionalisierung der Justiz mit sich bringen würde. Im Rückblick erwähnte er auch, dass während der herausfordernden Zeit der Pandemie die Rechtsprechung durch den Einsatz vieler aufrecht geblieben sei.
Für Herrnhofer ist die Arbeit mit und für die Menschen das Schönste an seinem Beruf. Dafür seien Empathie und die notwendige Distanz gefragt. Man müsse sich auch der hohen Verantwortung der Entscheidungslast bewusst sein. Als neuer Präsident übernehme er ein ausgezeichnet funktionierendes Haus. Herrnhofer hob aber auch hervor, dass die Justiz den Wirtschaftsstandort, die Sicherheit jeder und jedes einzelnen sowie die Rechtssicherheit sichere – „und das trotz dünner Personaldecke“. Wichtig seien ihm bestmögliche Arbeitsbedingungen für die Richterinnen, Richter und Beschäftigten und auch die Generalsanierung des Landesgerichtsgebäudes, inklusive der Einrichtung einer Kindertagesstätte. Als wichtige Projekte verwies er auf „Justiz macht Schule“ und die Jus-HAK.
Sein Bestellungsdekret erhielt der neue Präsident des Landesgerichts Klagenfurt von Michael Schwanda, dem Präsidenten des Oberlandesgerichts Graz. Dieser überreichte auch der neuen Vizepräsidentin Ruth Leitold-Stadlmann ihr Dekret. Die Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste erfolgte durch den neuen Vizepräsidenten Wilhelm Waldner. Grußworte sprachen auch Gernot Kanduth als Präsident der Vereinigung der österreichischen Richterinnen und Richter sowie Margit Schmid für den Zentralausschuss für Beamtinnen und Beamte und Vertragsbedienstete. Die musikalische Umrahmung erfolgte durch den Chor der Kärntner Bezirksgerichte und ein Streichquartett des Kärntner Symphonieorchesters am Stadttheater Klagenfurt.
Der vom Land Kärnten ausgezeichnete Bernd Lutschounig studierte Rechtswissenschaften an der Uni Graz, war ab Anfang 1984 Richteramtsanwärter. Anfang 1987 begann er als Richter am Bezirksgericht Klagenfurt wechselte dann bald ins Richter Landesgericht. 1999 wurde er Richter am Oberlandesgericht Graz. Im Landesgericht Klagenfurt wirkte er ab Oktober 2003 als Vizepräsident und ab März 2011 als Präsident. Lutschounig machte sich zudem als Obmann der Sektion Kärnten und Mitglied des Vorstandes der Österreichischen Richter:innenvereinigung, Mitglied der Landeswahlbehörde, Vorsitzender der Spruchsenate des Finanzamts und des Zollamts, als Präsident der Kärntner Juristischen Gesellschaft, aber auch als Mitglied des Kärntner Menschenrechtsbeirats verdient.
Infos zum Landesgericht Klagenfurt: https://www.justiz.gv.at/
Quelle: LPD Kärnten
