„HINSCHAUN! POGLEJMO!“ im slowenischen Parlament

Das Jahr 2025 stand europaweit im Zeichen der Erinnerungskultur. In Kärnten zog die Sonderausstellung „HINSCHAUN! POGLEJMO!“ im kärnten.museum tausende Besucherinnen und Besucher an und sorgte auch weit über die Landesgrenzen hinaus für große Aufmerksamkeit. Besonders im benachbarten Slowenien stieß die Ausstellung auf reges Interesse. Am heutigen Montag wurden ausgewählte Teile der Ausstellung im Foyer der slowenischen Nationalversammlung in Ljubljana präsentiert. Zahlreiche Ehrengäste, Abgeordnete sowie Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft nahmen an der Veranstaltung teil. Landeshauptmann Peter Kaiser eröffnete die Ausstellung offiziell.

„Sich mit Geschichte zu befassen, ist weit mehr als bloße Liebe zur Historie. Es bedeutet, aus der Vergangenheit Schlüsse für Gegenwart und Zukunft ziehen zu können“,

betonte Landeshauptmann Kaiser.

„Diese Ausstellung hält uns einen Spiegel vor. Sie zwingt uns hinzusehen und erinnert an das, was über Jahrzehnte verschwiegen, verdrängt oder relativiert wurde. Der Blick zurück kann schmerzhaft sein – aber er ist notwendig, um die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.“

Kaiser zeigte sich erfreut über das große Interesse in Slowenien. Er hob die besondere Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit hervor:

„Wir erleben derzeit tiefgreifende geopolitische Umbrüche. Gleichzeitig versuchen autoritäre Strömungen, Geschichte umzudeuten und Narrative zu verzerren. Das klare Ziel dieser Ausstellung ist es daher, den kritischen Dialog zu stärken und das Bewusstsein für unsere liberal-demokratischen Werte zu schärfen.“

Die aktuellen weltpolitischen Entwicklungen könnten keine Demokratin und keinen Demokraten unberührt lassen, so Kaiser weiter. Er appellierte an Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt:

„Wenn diese Ausstellung Menschen erreicht, zum Nachdenken anregt und Verantwortung einfordert, dann waren die Schicksale der Opfer des Nationalsozialismus nicht völlig umsonst. Deshalb gilt mehr denn je: Wehret den Anfängen. Gemeinsam. Skupno!“

Abschließend dankte Kaiser allen Beteiligten für die Umsetzung der Ausstellung sowie für die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den offiziellen Vertreterinnen und Vertretern der Republik Slowenien. Im Anschluss folgte er einer Einladung des österreichischen Botschafters in Slowenien, Konrad Bühler, zu einem Empfang in der Residenz, bei dem auch Gespräche mit der slowenischen Außenministerin Tanja Fajon stattfanden. Beide betonten die starke Signalwirkung der Ausstellung weit über die Grenzen Europas hinaus und sahen sie als Auftakt für weitere gemeinsame Projekte zur Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte.
Die Präsidentin der slowenischen Nationalversammlung, Urška Klakočar Zupančič, hieß die Gäste herzlich willkommen.

„Die Geschichte Kärntens und Sloweniens ist eng miteinander verwoben. Wir teilen Zeiten des Wohlstands und des Austauschs, aber auch jene der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“,

sagte sie.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass dieser Teil unserer Geschichte verdrängt oder umgedeutet wird. Es ist unsere Pflicht, ihn aufzuarbeiten und das Bewusstsein der Menschen zu schärfen.“

Für Klakočar Zupančič sei die Ausstellung mehr als reine Erinnerung:

Sie verstehe sie als Auftrag und Mahnung. Angesichts globaler Umbrüche und des zunehmenden Drucks auf die Europäische Union brauche es Verantwortung, Weitsicht und Toleranz.

„Populismus und falscher Nationalstolz dürfen unsere Erinnerung nicht verfälschen“,

betonte sie und dankte dem kärnten.museum, der Österreichischen Botschaft in Slowenien sowie Landeshauptmann Kaiser für die enge Zusammenarbeit.
Österreichs Botschafter in Slowenien, Konrad Bühler, sprach von einer großen Ehre, die Ausstellung im Zentrum der slowenischen Demokratie präsentieren zu dürfen. Er verwies auf das Gedenkjahr 2025, das in Österreich mit dem 80. Jahrestag des Endes der NS-Herrschaft, 70 Jahren Staatsvertrag und 30 Jahren EU-Mitgliedschaft verbunden ist.

„Erinnern braucht nicht nur Gedächtnis, sondern vor allem Mut und Charakter. Hinzusehen ist oft schmerzhaft und unbequem – aber unverzichtbar“,

so Bühler.
Die Ausstellung eröffne Räume für grenzüberschreitenden, ehrlichen Diskurs und trage dazu bei, sich von einseitigen nationalen Narrativen zu lösen.
Der Direktor des kärnten.museums, Wolfgang Muchitsch, unterstrich die Rolle des Museums als Ort des Diskurses:

„Das kärnten.museum ist nicht nur ein Gebäude. Es ist Gedächtnis und Gewissen der Region – ein moralischer Kompass für Gegenwart und Zukunft.“

Die Ausstellung basiere auf dem neuesten Forschungsstand seit 1945 und beleuchte bewusst jene dunklen Kapitel, die lange vergessen oder verdrängt worden seien. Sein Appell: „Hinschaun!“
Die Kuratoren Peter Pirker und Andreas Krištof zeigten sich besonders erfreut über das große internationale Interesse. Die Ausstellung wurde 2025 von mehr als 25.000 Menschen besucht, darunter 35 Führungen in slowenischer Sprache. Für beide ist klar, dass „HINSCHAUN! POGLEJMO!“ die Grundlage für weitere gemeinsame Projekte zur historischen Aufarbeitung bildet.
Die Ausstellung HINSCHAUN! POGLEJMO! beleuchtet die Herrschaft der Kärntner Nationalsozialisten zwischen 1938 und 1945 und hinterfragt die Erinnerungskultur der Nachkriegsjahrzehnte. Die Präsentation im Foyer des Großen Saals der Nationalversammlung der Republik Slowenien konzentriert sich auf Aspekte der NS-Herrschaft von besonderer Bedeutung für die verflochtene Geschichte Österreichs und Sloweniens. Mit künstlerischen Beiträgen von Birgit Bachmann, Dana Rausch, Nicole Six, Paul Petritsch mit Jakob Holzer, Karl Vouk, zweintopf und Marjan Matijević, in Zusammenarbeit mit dem Verband der Kärntner Partisanen und Freunde des antifaschistischen Widerstands. Die Ausstellung ist von 26. bis 30. Jänner in der Nationalversammlung der Republik Slowenien zu sehen.
Quelle: LPD Kärnten