23. März 2025
Gert-Jonke-Preis für Schriftsteller Ferdinand Schmalz
Der mit 15.000 Euro dotierte Gert-Jonke-Preis geht heuer an den Schriftsteller Ferdinand Schmalz. Kulturreferent Landeshauptmann Peter Kaiser, Klagenfurts Vizebürgermeister Alexander Kastner und Gemeinderätin Gabriela Holzer überreichten ihn heute, Sonntag, in der theaterHALLE 11. Der Preis wird seit 2011 gemeinsam von Land Kärnten und Stadt Klagenfurt vergeben, die Gert-Jonke-Gesellschaft ist Kooperationspartner. Es handelt sich um einen der gewichtigsten und renommiertesten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum. Von der Jury nominiert waren heuer auch die Dramatikerinnen Teresa Dopler und Lisa Wentz sowie „symbolisch“ Elfriede Jelinek. Die Literaturnobelpreisträgerin schickte Schmalz auch einen Gratulationstext, den Grischka Voss verlas.
„Die Entscheidung ist genau richtig, auch Gert Jonke würde sich darüber freuen“,
so Jelinek, die Jonke sehr gut kannte.
Der herausragende Schriftsteller und Namensgeber des Gert-Jonke-Preises wurde 1946 in Klagenfurt geboren und verstarb 2009 in Wien.
„Danke, dass Sie kein Schweiger sind, sondern ein Mahner und Dramatiker“,
sagte Kaiser zu Schmalz, dem er namens des Landes Kärnten herzlich gratulierte.
Schmalz sagte, dass ihm der Preis nun die Freiheit gebe, „mich der Absurdität der Gegenwart mit Haut und Haaren auszusetzen“. Er erzählte unter anderem von einer Begegnung mit Jonke, als er als Student im Wiener Burgtheater als Komparse in einem Jonke-Stück mitwirkte. Jonkes Stücke würden in vielen Passagen schlagende Aktualität haben, nahm der Preisträger Bezug auf das momentane Weltgeschehen.
„Gert Jonke erkennt den Keim des Absurden in der Welt“,
so Schmalz.
Die Laudatio für den Preisträger hielt Jurymitglied Stefan Krammer von der Universität Wien. Er bezeichnete ihn als herausragenden Wortkünstler, als wahren Wortakrobaten. Schmalz unterhalte seine Leserschaft und sein Publikum, sei aber auch politisch wirksam. Alle drei Jurymitglieder kamen auch in eingespielten Videos zu Wort. Krammer sagte darin auch, dass Schmalz das ästhetische Potential von Sprache freilege und weiterentwickle. Die frühere Burgtheaterdirektorin und jetzige Leiterin der Salzkammergut Festwochen Gmunden, Karin Bergmann, attestierte Schmalz‘ Sprache „große Musikalität“. Er bilde, wie auch Jonke, „assoziative Wortgirlanden“. Für den Autor und Kulturjournalist Heinz Sichrovsky verkörpert Schmalz was auch Jonke verkörperte: „Das Doppelbödige und Sprachspielerische“.
Ferdinand Schmalz wurde 1985 in Graz als Matthias Schweiger geboren und wuchs in Admont auf. Er studierte Theater- und Medienwissenschaft sowie Philosophie in Wien, wo er auch lebt. Schmalz gilt als renommierter Theaterautor und Prosaautor. Schon für sein erstes Stück „am beispiel der butter“ erhielt er 2013 den Retzhofer Dramapreis und wurde zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt. 2017 gewann er mit einem Auszug aus „Mein Lieblingstier heißt Winter“ den Ingeborg-Bachmann-Preis und 2018 wurde er mit dem Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnet. Er ist außerdem Träger des Peter-Rosegger-Preises, des Kasseler Förderpreises für Komische Literatur oder des Arthur-Schnitzler-Preises. 2024 hielt er bei der Eröffnung der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt die „Rede zur Literatur“.
Die Preisverleihung wurde durch Markus Hering und Grischka Voss mit einem szenischen Programm umrahmt. Die Improvisation kam von Klangkünstler Klaus Lippitsch. Für Buch und Regie zeichneten Ingrid Ahrer und Martin Polasek von der Gert-Jonke-Gesellschaft verantwortlich. Die Moderation erfolgte durch Heimo Strempfl vom Robert-Musil-Literaturmuseum. Strempfl verwies auf die Ausstellung „Mein Vater war Bahnbeamter“ von Peter Pongratz, die im Musilmuseum zu sehen ist. Gezeigt werden 25 Radierungen, die auf das gleichlautende Zitat bzw. die zugehörige Textpassage aus Gert Jonkes „Glashausbesichtigung“ Bezug nehmen.
Quelle: LPD Kärnten
