2025 ist Gedenkjahr in mehrfacher Hinsicht: Vor 80 Jahren endete der zweite Weltkrieg, vor 70 Jahren wurde der Staatsvertrag unterschrieben und vor 30 Jahren stimmten über 3,5 Millionen Österreicherinnen und Österreicher in einer Volksabstimmung für den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union.
Das Jahr 2025 steht in Hinblick auf die einschneidenden Ereignisse vor 80 Jahren, dem Ende des NS-Regimes, der Befreiung aus der Nazi-Diktatur, europaweit im Zeichen der Erinnerung. Das Land Kärnten hat daher „Das „Jahr der Erinnerungskultur – Leto spominjanja“ ausgerufen.
Aber nicht nur deshalb fand diesen Samstag die Gedenkfeier am Peršmanhof bei Bad Eisenkappel mit Vizekanzler Andreas Babler, LH Peter Kaiser, Sloweniens Staatssekretär Dejan Židan, dem 3. Landtagspräsidenten Andreas Scherwitzl, Generalkonsulin Maja Balant Slobodjanac und vielen weiteren Ehrengästen sowie den Hinterbliebenen der vor 80 Jahren grausam ermordeten Familien Peršman und Hojnik statt.
„Dieses jährliche Zusammenkommen steht seit Beginn an im Zeichen des gemeinsamen Gedenkens, des nicht Vergessens, des ständigen Erinnerns – als Mahnungen für Gegenwart und Zukunft. Verneigen wir uns vor den Opfern des Faschismus“,
hielt Kaiser in seiner Rede fest.
Vizekanzler Babler dankte für die Einladung an
„diesen Ort des Widerstandes, des Kampfes gegen Faschisten und nun des Erinnerns, des Gedenkens und des Lernens“.
Es sei für ihn, Babler, ein emotionaler Moment, hier zu sein an einem Ort, der derart reich an Symbolik ist, ein Ort, an dem auch vor 80 Jahren der Frieden greifbar schien, bis NS-Schergen hier, am Ende eines Krieges, ein menschenverachtendes Massaker angerichtet haben.
„Unser Land schuldet diesen Familien Dank für ihren Widerstand und den Hinterbliebenen den Dank dafür, dass sie die Erinnerung hochhalten, dass sie für die slowenische Volksgruppe eintreten und wir müssen danken dafür, dass sie dieses Museum erhalten als Mahnmal gegen das Vergessen“,
betonte Babler. Dieses Museum sei lebendiger Widerstand gegenüber all jenen, die die Geschichte anders erzählen wollen.
„Und es ist mir als überzeugter Antifaschist eine Ehre, hier zu sein“,
stellte Babler klar.
Kaiser rief Erinnerungen wach, als er vor 40 Jahren hier am Peršmanhof als junger Politiker an einer Gedenkveranstaltung teilgenommen hat und für die Medien nur dieses zu berichten blieb,
„dass junge Menschen so etwas tun“. Kaiser erinnerte aber auch an die Gedenkfeiern mit dem ehemaligen slowenischen Staatspräsidenten Borut Pahor oder mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen. „Die museale Bedeutung geht weit über das Gedenken an die Opfer hinaus. Eine jahrzehntelange Vertuschung der Geschehnisse hat ein Ende gefunden und wir haben alles zu tun, damit diese Opfer nicht umsonst waren, diese Gräueltaten niemals vergessen werden“,
sagte Kaiser.
Auch Sloweniens Staatssekretär Dejan Židan mahnte ein, die Vergangenheit niemals ruhen zu lassen, weil dies die Gefahr berge, dass sich die Geschichte wiederhole. Er wünsche sich ein Europa, in dem Menschen in Frieden und gegenseitigem Respekt gut zusammenleben. Dafür müsse jede und jeder täglich seinen Beitrag leisten.
Bernard Sadovnik dankte allen Ehrengästen für ihre Anwesenheit und die damit sichtbare Wertschätzung.
„Dieser Ort ist tief in unserer Familiengeschichte verankert. Es ist ein Ort des Schmerzes, des Widerstandes, der Mahnung und der Hoffnung. Das Massaker damals richtete sich gegen Menschen, gegen die slowenische Sprache und Identität. Wir wollen den Opfern mit dem Gedenken an sie ihre Würde zurückgeben, die sich durch diese Taten verloren haben. Sie haben zur Befreiung, zur Demokratie beigetragen“,
erklärte Sadovnik
Eisenkappels Bürgermeisterin, Elisabeth Lobnik, verwies darauf, dass die Pflege einer würdigen Erinnerungskultur wichtig sei. Es habe sich diesbezüglich in den letzten Jahrzehnten vieles zum Positiven gewendet durch ständigen Dialog und Austausch. Orte wie der Peršmanhof seien Orte der Begegnung und des Lernens.
Umrahmt wurde die Feierstunde von Arthur Ottowitz mit seiner Mundharmonika.
Die Feier am Peršmanhof steht im Zeichen des Gedenkens an die NS-Opfer der Höfe Peršman und Hojnik sowie an die vielen Widerstandskämpferinnen und -kämpfer der Region. Der Peršmanhof, war ab 1942 Stützpunkt der Widerstandsbewegung, die sich auch in Kärnten ausgebreitet hatte. Am 25. April 1945 verübten Angehörige des SS- und Polizeiregiments 13 ein Massaker auf diesem Hof. Es wurden elf Personen der Familien Sadovnik und Kogoj erschossen – vier Erwachsene und sieben Kinder. Die Leichen der Ermordeten sind am Friedhof von Bad Eisenkappel/Železna Kapla beerdigt.
Am Peršmanhof befindet sich heute ein Museum mit dem Inhalt der Geschichte und des Widerstandes der Kärntner Slowenen während des Nationalsozialismus.
Der Društvo/Verein Peršman wurde 2001 in Klagenfurt gegründet, um die Verdienste des kärntner-slowenischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus im öffentlichen Gedächtnis zu fördern. Der Verein positioniert sich gegen rechtsextreme und faschistische Tendenzen der Gegenwart und unterstützt den Betrieb des Museums und der Gedenkstätte Peršmanhof in Bad Eisenkappel/Železna Kapla.
Quelle: LPD Kärnten