Mit einem feierlichen Festakt im Stadttheater Klagenfurt wurde gestern, Freitag, die zuvor erfolgte Eröffnung des Ingeborg-Bachmann-Hauses in der Henselstraße 26 gefeiert. Das Elternhaus der bedeutenden Autorin, in dem sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte, wurde in den vergangenen Jahren umfassend saniert und in einen Ort literarischer Begegnung, Forschung und Erinnerung umgestaltet.
Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und der Geistlichkeit nahmen an der Veranstaltung teil, die von musikalischen Darbietungen und literarischen Lesungen begleitet wurde.
„Ich wünsche mir, dass vom heutigen Tag – der Eröffnung dieses literarischen Denkmals für eine Frau, deren Werke gerade in unserer Zeit aktueller denn je sind – eine Kraft ausgeht, die dem aktuellen Zeitgeist entgegentritt. In einer Zeit enormer Herausforderungen, in der Humanismus und Solidarität zunehmend in den Hintergrund gedrängt werden, sind Literatur und Kultur für unsere Demokratie wichtiger denn je“,
betonte Kulturreferent Landeshauptmann Peter Kaiser.
„Mit dem Ingeborg-Bachmann-Haus haben wir ein Denkmal für einen der größten Geister Kärntens geschaffen.“
Er dankte allen Kooperationspartnern, der Stadt Klagenfurt, dem Bund, den Sponsoren sowie allen Mitwirkenden, die dieses Projekt möglich gemacht haben.
Für Vizekanzler Andreas Babler, Bundesminister für Kunst und Kultur, ist das Ingeborg-Bachmann-Haus weit mehr als nur ein Gebäude:
„Es ist ein Raum des Denkens, der Begegnung, des Austauschs, der Sprache und der Klarheit.“
Bachmann sei nicht nur literarisch herausragend, sondern auch ethisch bedeutend gewesen. Sie habe es verstanden, der Gesellschaft – insbesondere der Politik – einen Spiegel vorzuhalten.
„‚Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar‘ – so lautet der Titel eines ihrer bekanntesten Werke. Sie nutzte die Kraft der Sprache, um zur Selbstreflexion anzuregen“,
so Babler.
„Ich wünsche mir, dass dieses Haus ein lebendiger Ort des Austauschs wird – denn unsere Demokratie lebt vom Diskurs.“
Er bedankte sich bei allen Beteiligten, die mit großem Engagement und Herzblut an diesem wichtigen Projekt mitgewirkt haben.
„Heute ist ein besonderer Tag – wir haben der Literatur ein Denkmal gesetzt und zugleich Spuren für die Zukunft hinterlassen“, sagte Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider in seiner Ansprache. „Vom frühen Lebens- und Wirkungsort Ingeborg Bachmanns geht eine besondere Aura aus. Es ist ein Ort, an dem Literatur spürbar und lebendig wird. Ich bin stolz, dass wir gemeinsam die richtige und wichtige Entscheidung getroffen haben, das Ingeborg-Bachmann-Haus für kommende Generationen zu erhalten und zugänglich zu machen.“ Sein besonderer Dank galt den Geschwistern der Autorin, Heinz Bachmann und Isolde Moser, die das Projekt von Anfang an unterstützt und befürwortet haben.
Bernhard Fetz, Leiter des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek,
unterstrich die internationale Bedeutung von Bachmanns Werken:
„Ihre Texte zählen zum UNESCO-Weltdokumentenerbe – mit Ingeborg Bachmann kann Klagenfurt mit Stolz eine Weltautorin ihr Eigen nennen.“
Besonders lobte er die Ausstellung im Bachmann-Haus:
„Trotz ihrer zurückhaltenden Gestaltung mangelt es der Ausstellung nicht an Prägnanz und Tiefe. Das Team rund um Kuratorin Katharina Herzmansky hat hervorragende Arbeit geleistet.“
Er dankte allen Partnerinnen und Partnern für die enge und konstruktive Zusammenarbeit und zeigte sich erfreut darüber, dass dieser großen Autorin ein würdiges Andenken geschaffen wurde.
Unter den Gästen befanden sich unter anderem Ingeborg Bachmanns Geschwister Heinz Bachmann und Isolde Moser, Bischof Josef Marketz, Superintendent Manfred Sauer, Brigitte Winkler-Komar, Leiterin der Kulturabteilung des Landes, Wolfgang Muchitsch, Direktor des kärnten.museum, Alexander Gerdanovits, Leiter der Kulturabteilung der Stadt Klagenfurt, die Autor Josef Winkler und Autorin Maja Haderlap, Vertreter der Landtags-, Gemeinde und Stadtpolitik, sowie ORF-Kärnten-Landesdirektorin Karin Bernhard.
Quelle: LPD Kärnten