Fellner: „Mehrsprachigkeit in Kärnten konsequent stärken“
LH Daniel Fellner leitete erstmals das Dialogforum. Foto: LPD/Just
Mehrsprachigkeit gehört zu Kärnten. Sie zu erhalten und Kindern durchgängige Bildungsangebote zu ermöglichen, stand im Mittelpunkt des 23. Dialogforums, das erstmals unter der Leitung von Landeshauptmann Daniel Fellner zusammentrat. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Volksgruppe, aller Landtagsparteien sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern mehrsprachiger Gemeinden wurden Fortschritte und nächste Schritte beraten.
„Was 2024 mit Bund, Land und den Volksgruppen begonnen hat, kann man heute als Erfolgsgeschichte bezeichnen“,
betonte Fellner. Die Zusammenarbeit trägt vor allem in der frühen Sprachbildung Früchte. Nun geht es darum, die Angebote über alle Bildungsstufen hinweg besser miteinander zu verbinden.
Vom Kindergarten bis zum Schulabschluss
In Kärnten bieten mittlerweile 40 elementare Bildungseinrichtungen ein Slowenischsprachangebot an. Auch an den Volksschulen ist der zweisprachige Unterricht gut verankert. Laut Volksgruppenbericht 2026 wird er an 53 Volksschulen und 16 Mittelschulen angeboten. Der im Bericht ausgewiesene Anteil der zum zweisprachigen Unterricht angemeldeten Volksschulkinder liegt bei nahezu 50 Prozent – mit steigender Tendenz. Weiteren Handlungsbedarf gibt es insbesondere in den Mittelschulen. Dort liegt der Anteil bei neun Prozent, ebenfalls mit einem Aufwärtstrend. Ein Pilotprojekt soll das Slowenischangebot in diesem Bereich weiterentwickeln.
„Jetzt gilt es, die weitere und noch bessere Abstimmung des Slowenischsprachangebotes zwischen Gemeinden und damit die Sicherung der durchgängigen Sprachbildung bis hin zum Schulabschluss zu forcieren“,
erklärte Fellner. Einen wichtigen Beitrag zur Sprach- und Kulturpflege leistet zudem die Glasbena šola: 379 Schülerinnen und Schüler aus 34 Kärntner Gemeinden besuchen die Musikschule.
Slowenische Sprache wird sichtbarer
Die Fortschritte zeigen sich auch im öffentlichen Raum. Zusätzlich zu den 164 gesetzlich vorgesehenen zweisprachigen Ortsbezeichnungen wurden 19 weitere zweisprachige Beschilderungen freiwillig umgesetzt. Grundlage dafür sind entsprechende Gemeinderatsbeschlüsse. Der Wunsch nach zweisprachigen Beschilderungen an Grenzübergängen wird nun geprüft.
„Wir haben in den letzten Jahren gemeinsam auf verschiedenen Ebenen Brücken gebaut, die von der Mehrheit der Menschen in Kärnten auch beschritten werden und die die Mehrsprachigkeit als Nutzen sehen“,
sagte Fellner. Initiativen wie das Dialogforum und das Kulturtandem/kulturni tandem tragen dazu bei, das Interesse an der slowenischen Sprache und den Austausch zu stärken.
Volksgruppenprogramme im ORF langfristig absichern
Ein weiteres zentrales Thema war die Zukunft der Volksgruppenprogramme im ORF. Augustine Gasser, Valentin Inzko und Bernard Sadovnik äußerten die Sorge, dass Reformen und Personaleinsparungen zu Kürzungen der Minderheitenprogramme in Fernsehen und Radio führen könnten. Sie ersuchten die Landesregierung um Unterstützung für deren nachhaltige Absicherung und Weiterentwicklung. Fellner kündigte an, innerhalb der Koalition über die konkrete Unterstützung zu beraten. Im Raum stehen ein gemeinsames Schreiben oder eine Resolution der Landesregierung an den Medienminister und die Volksgruppenministerin. Dabei soll auch eine Stärkung des ORF-Landesstudios eingefordert werden. Auch beim anstehenden Besuch des neuen ORF-Generaldirektors Clemens Pig in der Landesregierung will Fellner das Anliegen aufgreifen:
„Ich werde dieses Thema selbstverständlich ansprechen.“
Zweisprachigkeit auch an den Gerichten stärken
Über die Umsetzung der Neuregelung der zweisprachigen Gerichtsbarkeit bis zum 1. Jänner 2027 informierte Landesgerichtspräsident Manfred Herrenhofer. Gesucht werden sowohl Personal mit Slowenischkenntnissen als auch Dolmetscherinnen und Dolmetscher. Bei gleicher sonstiger Qualifikation sollen Slowenischkenntnisse bei der Personalaufnahme bevorzugt berücksichtigt werden. Zudem sollen die Gerichtsstandorte in Klagenfurt und Völkermarkt sichtbar zweisprachig beschildert werden.
„Wir werden jedenfalls sicherstellen, dass die slowenische Sprache gehört und gesehen wird“,
betonte Herrenhofer. Das 2011 vereinbarte Dialogforum ist ein zentrales Instrument für die Zusammenarbeit mit der slowenischsprachigen Volksgruppe. Für Fellner zeigt die aktuelle Bilanz, was dieser gemeinsame Weg bewirkt:
„Zusammenfassend können wir heute sagen, dass wir in den Bereichen Bildung, Kultur und Sichtbarkeit der slowenischen Sprache deutliche Fortschritte machen und unsere angekündigten Maßnahmen definitiv gemeinsam umsetzen.“
Galerie
Valentin Inzko, LH Daniel Fellner, Augustine Gasser und Bernard Sadovnik.