23. Oktober 2026
Fellner: „Integration ist keine Einbahnstraße“
Wer sich integrieren soll, braucht die Möglichkeit dazu – muss aber auch selbst seinen Beitrag leisten. Diesen Grundsatz stellte Landeshauptmann Daniel Fellner bei der Jahreskonferenz der Integrationsreferentinnen und -referenten in Kärnten in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit Integrationsministerin Claudia Bauer berieten die Länder über Deutschkurse, Arbeitsmarktintegration und Konsequenzen bei Integrationsverweigerung. Sechs Anträge wurden beschlossen.
Klare Erwartungen an das Zusammenleben
„Integration ist keine Einbahnstraße. Sie ist ein Geben und ein Nehmen. Integrationspolitik ohne die Bereitschaft der Betroffenen, sich tatsächlich integrieren zu wollen, ist zum Scheitern verurteilt. Daher fordern wir Mitwirkung – konkret das Erlernen unserer Sprache, die Beachtung unserer Werte und den Respekt vor unserer Kultur“,
betonte Fellner. Mit der Kärntner Hausordnung hat das Land dafür verbindliche Regeln und Integrationspflichten für Asylwerber festgelegt. Dazu gehören Deutschlernen, gemeinnützige Arbeit und der Respekt vor unseren Grundwerten. Bisher haben 98 Prozent der Asylwerber die Hausordnung unterschrieben.
Kärnten baut Sprach- und Wertevermittlung aus
Parallel zu den Pflichten erweitert Kärnten die Angebote. Im Sommer startete gemeinsam mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) ein Online-Deutschkursprogramm. Selbstlern-Videos vermitteln die ersten 100 Wörter und Sätze für Alltagssituationen und unterstützen damit Menschen in der Grundversorgung beim Einstieg in die deutsche Sprache. Als nächsten Schritt kündigte Fellner ein Online-Wertekursprogramm in Zusammenarbeit mit dem ÖIF an. „Damit hat Kärnten eine Vorreiterrolle bei der Sprachvermittlung für LeistungsbezieherInnen der Grundversorgung eingenommen. Dasselbe wollen wir nun mit der Wertevermittlung erreichen.“
Mehr Deutschkurse und Konsequenzen bei Verweigerung
Die beschlossenen Anträge richten sich als gemeinsame Aufforderung an die zuständige Bundesministerin. Die Länder verlangen ausreichend Deutschkurse und Kursplätze sowie ein bundesweit einheitliches, verbindliches Kurssystem. Für kürzlich zugewanderte Jugendliche, die nur kurz das österreichische Pflichtschulsystem besuchen konnten, sollen zusätzliche Bildungsangebote geschaffen werden. Auch der Einstieg in den Arbeitsmarkt soll erleichtert werden. Dazu fordern die Länder unter anderem die Beseitigung des „Stundendeckels“ bei Deutschkursen und Maßnahmen für eine nachhaltige Arbeitsmarktintegration.
Gleichzeitig verständigten sich die Länder auf die Forderung, Integrationsverweigerung klarer zu definieren und entsprechende Sanktionsmöglichkeiten auf Landesebene zu schaffen.
Unterstützung und Mitwirkung gehören zusammen
Für Fellner verbindet erfolgreiche Integrationspolitik konkrete Hilfestellung mit klaren Erwartungen. Kärnten setzt dafür auf verbindliche Regeln und den Ausbau der Sprach- und Wertevermittlung. Den konstruktiven Austausch bei der Konferenz hob der Landeshauptmann ausdrücklich hervor:
„Das ist gerade angesichts eines Themas, das mit vielen Emotionen behaftet ist, nicht selbstverständlich.“
