Freitag, 27.06.2025, öffnete in Anwesenheit von Kulturreferent Landeshauptmann Peter Kaiser und LHStv.in Gaby Schaunig das Ingeborg-Bachmann-Haus in der Klagenfurter Henselstraße 26 feierlich seine Pforten. Das Gebäude, in dem die weltberühmte Autorin Ingeborg Bachmann ihre Kindheit und Jugend verbrachte, wurde umfassend saniert und zu einem lebendigen Ort literarischer Erinnerungskultur umgestaltet.
Anlässlich der Feierlichkeiten lud das kärnten.museum zu einem Straßenfest mit Musik, Kinder-Kreativ-Programm und szenisch-literarischen Vorträgen. In die neue Außenstelle des kärnten.museum kamen zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Gesamtprojekt wurde von Land Kärnten, Stadt Klagenfurt, der Kärnten Privatstiftung, der Privatstiftung Kärntner Sparkasse und vom Bund finanziert. Die Eröffnung feierte man bewusst in der Woche der 49. Tage der deutschsprachigen Literatur – in der das Haus auch zukünftig eine große Rolle spielen wird.
„Mit der Eröffnung des Ingeborg-Bachmann-Hauses und der musealen Zugänglichkeit, bewahren wir die Seele von Ingeborg Bachmann für kommenden Generationen. Dieses identitätsstiftende Haus trägt direkt zum Gedächtnis und zur Erinnerungskultur dieser Stadt und des Landes bei“,
sagte Kaiser bei seiner Eröffnungsrede und zitierte aus einem Werk Bachmanns:
„Ich habe einen Sessel in den Garten gestellt und lese und habe mir vorgenommen, weiter zu lesen, wenn die Bomben kommen“.
„Das“,
so Kaiser,
„ist ein Ausdruck dessen, was Literatur vermag. Literatur ist gegen Inhumanität, Literatur ist für Humanität und wir brauchen das“. Sein besonderer Dank gilt der Familie Bachmann, dem Bund, der Stadt Klagenfurt, der Kärnten Privatstiftung sowie der Privatstiftung Kärntner Sparkasse, die das Projekt mit großem Engagement und finanzieller Unterstützung ermöglicht haben. „Ich lade alle herzlichst dazu ein, dieses Haus zu besuchen und sich von der Gedankenwelt Bachmanns inspirieren und mitreißen zu lassen“,
so LH Kaiser.
„Ein Traum ist wahr geworden“, so Bürgermeister Christian Scheider und ergänzte: „Das Haus steht in einem wunderbaren Stadtteil mit ungeheurer Anziehungskraft. Mit der Eröffnung dieses Hauses leistet Klagenfurt einen gewichtigen Beitrag zu Kärntner und Klagenfurter Kulturlandschaft. Ich freue mich, dass die Werke Bachmanns der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden und lade alle herzlich zum Besuch ein“. Sein Dank gilt allen Sponsoren, Kooperationspartnern und den Unterstützern für die konstruktive Zusammenarbeit.
Heinz Bachmann, Bruder der Autorin, hieß die Gäste im Namen der Familien Bachmann und Moser herzlich willkommen zur Eröffnung.
„Egal wohin es meine Schwester auf ihren Wegen führte, sie war immer eng mit Klagenfurt verbunden, hier erlebte sie die komplette Palette des menschlichen Spektrums – von ihrer Kindheit und Jugend sowie der Kriegszeit, in der auch Bomben das Haus beschädigten“,
sprach er.
Er wünscht sich, dass dieses Haus, zu einem Haus der Erinnerung, der Begegnung und der Inspiration für viele Menschen wird.
„Meine Schwester wäre zutiefst darüber berührt, wieviel Mut und Engagement für ihr Lebenswerk investiert wird“,
sagte er und dankte allen Unterstützenden, Sponsoren und all jenen, die zur Verwirklichung dieses Projekts beigetragen haben.
Die wissenschaftliche Kuratierung des Hauses liegt in den Händen von Katharina Herzmansky:
„Für mich ist heute ein historischer Tag.“
Sie dankte in ihrer Rede allen Beteiligten, die mit Professionalität und Sensibilität gemeinsam diese Herausforderung gemeistert haben. Auch sie lädt alle herzlich zum Besuch in der neuen Außenstelle des kärnten.museum ein.
Unter den Gästen waren u. a. Ingeborg Bachmanns Schwester Isolde Moser, Landtagsabgeordneter Stefan Sandrieser, ORF-Landesdirektorin Karin Bernhard, Klagenfurts Kulturstadtrat Franz Petritz, Brigitte Winkler-Komar, Leiterin der Kulturabteilung des Landes, Direktor des kärnten.museum Wolfgang Muchitsch, Alexander Gerdanovits, Leiter der Kulturabteilung der Stadt Klagenfurt, Reinhard Bachl, Leiter Landesimmobiliengesellschaft sowie Ausstellungsgestalter Wolfgang Giegler. Gedankt wurde den unterstützenden Sponsoren, Gabriele Semmelrock-Werzer, Präsidentin der Privatstiftung Kärntner Sparkasse und Gottfried Sapetschnig, Aufsichtsrat Kärnten Privatstiftung.
Mit dem Ingeborg-Bachmann-Haus erhält Kärnten einen weiteren kraftvollen Ort für Literatur, Frauenkultur und Erinnerung mit internationaler Strahlkraft. Das Haus ist künftig Teil des kärnten.museum. Im Erdgeschoss wird man, barrierefrei zugänglich, von der Herkunfts- und Kindheitswelt über den frühen und außerordentlichen Erfolg der Autorin bis hin zu ihrer anhaltenden internationalen Wirkkraft geführt.
Im Obergeschoss werden in zwei Räumen Aspekte ihres Schaffens vertiefend gezeigt und im Dachgeschoss steht der spezifische Prozess des Schreibens im Mittelpunkt. Eine digitale Ausstellungsvariante ermöglicht zudem einen umfassend barrierefreien Besuch. Die feierliche Eröffnung ist gleichzeitig der Auftakt für vielfältige Vermittlungs- und Veranstaltungsformate, die Literatur lebendig und zugänglich machen. Das Haus ist ganzjährig von Donnerstag bis Freitag, 10.00 bis 16.00 Uhr, und Samstag, 10.00 bis 14.00 Uhr geöffnet.
Ingeborg Bachmann (1926–1973) zählt zu den bedeutendsten Autorinnen der europäischen Literatur nach 1945. Im Haus Nr. 26 in der Henselstraße hat die in Klagenfurt geborene Schriftstellerin ihre Schulzeit bis zum Studienbeginn verbracht. Nach ihrem Tod in Rom wurden ihr Hab und Gut inklusive Bibliothek und Mobiliar in ihrem Elternhaus am Fuß des Klagenfurter Kreuzbergls zusammengeführt.
2021 konnte die Liegenschaft von der Stadt Klagenfurt und dem Land Kärnten mit Unterstützung der Kärnten Privatstiftung erworben werden. Ingeborg Bachmann wurde durch einen Auftritt vor der Gruppe 47 im Jahr 1952 bekannt und erhielt für ihre Gedichtbände, Hörspiele und Prosawerke zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Preis der Gruppe 47 (1953), den Hörspielpreis der Kriegsblinden (1959), den Georg-Büchner-Preis (1974), den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur (1968) oder den Anton-Wildgans-Preis (1971).
Quelle: LPD Kärnten