„Europäische Zukunftsgespräche“ in der HTL-Wolfsberg

Kärnten – ein Land der Chancen. Europa – ein Kontinent der Chancen. Unter diesem Motto gingen vergangenen Freitag die Europäischen Zukunftsgespräche mit dem Titel „Das europäische Jahr der Aus- und Weiterbildung – Wo liegen meine Chancen?“ in der HTL Wolfsberg über die Bühne. Als prominenten Diskussionspartner begrüßte Direktor Jürgen Jantschgi allen voran Landeshauptmann Peter Kaiser, der Kärnten unter anderem auch im Ausschuss der Regionen vertritt. Mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kamen außerdem Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlaments und des Ausschusses der Regionen, sowie des Bundesministeriums, der Gemeinde und der heimischen Wirtschaft.

„Die Aktivierung der Jugend sowie die Vernetzung sind unheimlich wichtig, um innerhalb Europas Fuß zu fassen“,

beschrieb Kaiser die Wichtigkeit von Veranstaltungen wie der heutigen. Es gäbe zwei Forderungen, die mit Europa untrennbar zusammenhängen, betonte der Landeshauptmann und sprach damit einerseits den anzustrebenden Frieden in der Ukraine sowie das Erreichen klimapolitischer Ziele an.

„Wir haben klimapolitisch alles zu tun, damit Nachhaltigkeit und Enkelverantwortung zum Lehrplan für die Menschheit werden. In nachhaltige Energiequellen zu investieren wird notwendig sein – die dazu nötigen Fähigkeiten müssen jetzt erworben werden“,

war sich Kaiser in seiner Rede sicher.

„Wir werden immense Fortschritte erleben. Dafür Strukturen zu finden ist eine wesentliche Aufgabe politischer Entscheidungsträger. Die dadurch entstandenen Chancen müssen dann aber auch genutzt und gelebt werden“,

so Kaiser. Das von der EU ausgerufene Jahr der Kompetenz zeige ganz deutlich, wie wichtig der Bereich der Bildung geworden ist. Eine Tatsache, der man sich auch in Kärnten bewusst ist. Kaiser dazu:

„Mit 1. September diesen Jahres wird in Kärnten der Besuch aller elementarpädagogischen Einrichtungen kostenlos sein. Das führt dazu, dass jedes Kind die gleiche Möglichkeit hat, Kinderbildung und Kinderbetreuung zu erlangen. Das wiederum kann einer jener Faktoren sein, die den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern.“

Kaiser sprach einerseits die breiten Ausbildungsmöglichkeiten in unserem Bundesland an, erwähnte aber auch die entstehenden transeuropäischen Verkehrswege als Chance für den Lebens- und Wirtschaftsraum Lavanttal.

„Dafür brauchen wir euch. Denn dort wo man aufgewachsen ist, ist man auch verwurzelt. Die Verbindung zur Heimat bleibt. Macht etwas aus euch! Auf eurer Generation ruhen viele Hoffnungen. Setzt euch für ein gemeinsames, prosperierende Europa ein!“,

appellierte er abschließend an die Schülerinnen und Schüler.
EU-Abgeordneter Lukas Mandl gratulierte zur großartigen Ausbildung an der HTL in Wolfsberg. Er betonte: „Eine Lehre oder eine HTL-Maura in Österreich zu machen, ist Spitzenklasse. Wir haben mittlerweile nicht mehr nur einen Fachkräfte- sondern einen Arbeitskräftemangel. Europa darf aber nicht nur der Kontinenten des Konsums sein, sondern wir müssen auch produzieren. Dazu müssen wir ein Bildungssystem erhalten, das es möglich macht, in sehr jungen Jahren wichtige Kompetenzen zu erwerben.“
Christian Gsodam vom Ausschuss der Regionen sagte: „Wir sind heute nicht in diesem Saal, damit ihr uns zuhört, sondern wir sind heute hier, um euch zuzuhören. Europa kann nur dann gelingen, wenn es von unten her wächst – wenn es aus euch heraus wächst. Ich freue mich daher über diese Diskussion, die nicht das Ende sondern der Anfang unserer Bemühungen sein soll.“
Sabine Berger von der Europäische Kommission rückte die Kompetenzen, die gerade im Pflegebereich in den kommenden Jahren notwendig sein werden, in den Fokus ihrer Rede.
Bundesminister Martin Polaschek schickte eine Videobotschaft, in der er die Möglichkeit, sich untereinander aber auch mit wichtigen Steakholdern auszutauschen, als einen der wichtigsten Mehrwerte der heutigen Diskussion hervorhob. „Jede und jeder soll sich in der Welt in der wir leben gut zurechtfinden. Um mit Veränderungen zurecht zukommen, müssen wir uns neue Kompetenzen aneignen. Es ist mir ein Anliegen, dass die Schülerinnen und Schüler jene Kompetenzen erwerben können, die sie später brauchen werden“, so Polaschek. Daher seien ihm die regelmäßigen Anpassungen der Lehrpläne und die Weiterbildung der Lehrkräfte ein großes Anliegen.
Wolfgang Pachatz aus dem Bildungsministerium sagte: „Wir sind Europa-Meister in der Berufsbildung. Die Zahl der Jugendlichen, die sich für eine berufsbildende Ausbildung entscheiden, liegt in Österreich bei 70 Prozent.“ Angesichts des Arbeitskräftemangels brauche es aber weiterer Anstrengungen.
Claudia Plakolm, Jugend-Staatssekretärin, meldete sich ebenfalls per Videobotschaft. Sie versteht den Fachkräftemangel auch als Chance. „Denn endlich ist im Fokus, dass eine Lehre nicht nur der Plan B ist. Das in Österreich ermöglichte duale Ausbildungsmodell ist Vorbild für viele andere Länder.“
Die Aus- und Weiterbildung seien laut HTL-Direktor Jantschgi Basiselemente, um den Wohlstand in unserem Land zu sichern. Neben den Lehrplänen sollen auch Netzwerke erarbeitet werden. Dazu gehöre eine friedvolle und wertschätzende Art miteinander zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.
Gerhard Oswald von der Wirtschaftskammer Wolfsberg meinte: „Wir befinden uns im Herzen eines entstehenden Wirtschaftsraumes zwischen Graz und Villach und gewinnen damit auch in Europa an Bedeutung.“ Eine Herausforderung die laut Oswald Vernetzung wie sie im Lavantal bereits vielfach stattfindet noch mehr in den Mittelpunkt rücken werde.
Jürgen Jöbstl von der Stadtgemeinde Wolfsberg betonte, wie sehr die Entwicklung eines Wirtschafts- und Lebensraumes auch von den Bildungsmöglichkeiten abhänge. „Denn Bildung fördert Entwicklung, Offenheit sowie Chancengleichheit und trägt dazu bei, dass Grenzen im Kopf der Menschen abgebaut werden“, unterstrich er.