25. November 2025
Erinnerungsjahr: Hochkarätige Diskussionsrunde zu Südkärnten und Südtirol
Im Rahmen des Erinnerungsjahres 2025 kam, Montag 24.11.0205, im Bildungshaus Sodalitas Tainach/Tinje eine hochkarätige Diskussionsrunde zusammen. Landeshauptmann Peter Kaiser, der Diözesanbischof von Brixen/Bozen, Ivo Muser, und der Diözesanbischof von Gurk, Josef Marketz, sprachen zum Thema „Südtirol und Südkärnten: Gesellschaftliche Herausforderungen damals und heute“. Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher musste kurzfristig zu einem Termin nach Rom und schickte eine Videobotschaft.
Eingeladen hatte das Bildungshaus Sodalitas gemeinsam mit dem Forschungszentrum EURAC Bozen/Bolzano. Unter den Anwesenden waren auch Landesrat Daniel Fellner, Landtagspräsident Andreas Scherwitzl und die slowenische Generalkonsulin Maja Balant Slobodjanac.
Kaiser sagte, dass er mit Landeshauptmann Kompatscher sowie Kärntens Nachbarregionen im europäischen Ausschuss der Regionen in engem Kontakt stehe. Überhaupt betonte er die Bedeutung des gemeinsamen Europas. Der Landeshauptmann skizzierte zudem die Entwicklungen für die slowenische Volksgruppe in Kärnten. Dabei hob er vor allem das zweisprachige Schulwesen hervor, ging auf die Elementarpädagogik ein, in der man ebenfalls Impulse für den Erwerb und die Absicherung der slowenischen Sprache setze. Besondere Bedeutung habe die Volksgruppe auch für Kärntens Kunst und Kultur.
Kaiser sagte, dass Kärnten nach 1945 den vertriebenen slowenischen Familien kein „Gefühl des Heimkommens“ gegeben habe. Auch der Artikel 7 des Staatsvertrages sei sehr schleppend und unvollständig umgesetzt worden. Ein „schlimmer Rückschritt“ sei dann der Ortstafelsturm gewesen. „Viel zu langsam, nach Höchstgerichtsentscheidungen und der engagierten Arbeit der Konsensgruppe kam es dann zum Ortstafelkompromiss“, so Kaiser weiter. Österreich und Slowenien seien nunmehr beide in der EU, man sei sich immer nähergekommen und stelle das Gemeinsame vor das Trennende. Kärnten habe auch die slowenische Volksgruppe in seine Landesverfassung aufgenommen.
Wichtig im Erinnerungsjahr sei es gewesen, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen und „den Mantel des Schweigens zu lüften“. Kärnten habe das vor allem mit Ausstellungen im kärnten.museum, wie „Hinschaun! Poglejmo“, getan. Die aktuellen weltweiten Entwicklungen würden zeigen, dass permanente Wachsamkeit notwendig sei:
„Wachsamkeit aber im Sinne von aufrufen und überzeugen“,
so Kaiser.
„Wir müssen unsere liberale Demokratie verteidigen und brauchen dafür optimistisch nach vorne blickende Menschen.“
Landeshauptmann Kompatscher sagte in seiner Videobotschaft ebenfalls, dass wir heute Zuversicht und Optimismus dringender denn je brauchen. Auch er blickte in die Zeit nach 1945 zurück. Südtirol seien im Pariser Vertrag von 1946 Autonomie und Schutzbestimmungen für die Minderheit zugesichert worden. Wesentlich dafür sei das Wiedererlangen der österreichischen Souveränität durch den Staatsvertrag 1955 gewesen. Durch den EU-Beitritt Österreichs sei dann die „Grenze am Brenner überwunden“ gewesen. Minderheitenrechte sieht Kompatscher ganz klar als Menschenrechte und Vielfalt als Mehrwert.
Bischof Marketz betonte, dass die slowenische Sprache und Kultur kein Problem, sondern ein Schatz seien.
„Die Kirche will nicht Zuschauerin sein, sondern Mitgestalterin für ein gutes Kärnten, in dem jeder gut leben kann“,
so der Bischof weiter.
Er hob aber auch die Traumata hervor, die durch die Ereignisse im und nach dem Zweiten Weltkrieg noch immer bestehen würden. Die Kirche sei auch in diesem Zusammenhang wesentlicher sozialer und moralischer Bezugspunkt. Für die slowenische Volksgruppe sei sie der Ort gewesen, wo diese ihre eigene Sprache und Identität pflegen konnte. Wichtig sei es aber auch, dass sich die Kirche ihrer eigenen Rolle in der NS-Zeit stelle und diese weiter kritisch aufarbeite.
Marketz betonte noch, dass Kärnten „für beide die gleiche Heimat ist“, also für Deutsch und Slowenisch sprechende Kärntnerinnen und Kärntner:
„Meine Heimat war immer hier in Kärnten, das wurde uns lange nicht abgenommen.“
Bischof Muser ging auf die Option in Südtirol unter der faschistischen italienischen Regierung ein. Diese habe Familien, Verwandte, Pfarrgemeinden, Orte und Städte getrennt und gegeneinander aufgebracht. In der Zeit der Italienisierung sei der Religionsunterricht in den Pfarrhäusern der einzige Ort für die deutsche Sprache gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei es zum Ringen um die Autonomie und um das Überleben der deutschen und ladinischen Sprache gekommen.
„Die Kirche war dabei allen drei Sprachgruppen Heimat. Sie trat für eine Identität in Verschiedenheit ein“,
so Muser.
Auch er hob hervor, dass Minderheiten kein Problem, sondern Chance, Auftrag und Reichtum seien.
Begrüßt wurden die Teilnehmenden an der Diskussionsveranstaltung von Bildungshaus-Rektor Jože Kopeinig und dem aus dem Kärntner Gallizien stammenden EURAC-Institutsleiter Günther Rautz. Die Moderation erfolgte durch Maximilian Fritz. Für die musikalische Umrahmung sorgte Mitarbeiterin Zlatina Riepl am Klavier.
Infos unter: https://www.sodalitas.at/
Quelle: LPD Kärnten
