„Erinnern heißt Verantwortung leben“ – Lehren aus der Geschichte für unsere gemeinsame Zukunft

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Liebe Kärntnerinnen und Kärntner,
geschätzte Mitbürgerinnen und Mitbürger,
werte Leserinnen und Leser!
 
Am 8. Mai 1945 kapitulierte Deutschland. Der Zweite Weltkrieg in Europa war zu Ende. Der Tag der Befreiung markiert das Ende eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte – der Sieg über den Nationalsozialismus, das Ende von Krieg, Terror, Rassenwahn und Vernichtung. 80 Jahre liegt dieser Tag nun zurück. Und doch wirkt er bis heute nach – in unserer Gesellschaft, unserer Demokratie und unserem kollektiven Gedächtnis.
 
80 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs,
70 Jahre Österreichischer Staatsvertrag
und 30 Jahre EU-Mitgliedschaft
drei Meilensteine, die uns heuer im Gedenkjahr 2025 nicht nur innehalten lassen, sondern auch eine klare Botschaft vermitteln:
Frieden, Freiheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeiten. Sie sind Ergebnis harter Kämpfe, mutiger Entscheidungen und eines klaren, unerschütterlichen Willens zur Gemeinsamkeit.

Aus der Vergangenheit lernen – für Gegenwart und Zukunft Verantwortung tragen

Der Blick zurück ist nicht Selbstzweck. Er ist Mahnung und Auftrag. Wer die Schrecken des Faschismus und des Krieges verstanden hat, weiß:
Nie wieder darf Hass über Menschlichkeit siegen. Nie wieder darf Machtgier die Menschlichkeit verdrängen. Nie wieder dürfen wir schweigen, wenn Unrecht geschieht.
Gerade heute, wo in unserer unmittelbaren Nachbarschaft in der Ukraine ein brutaler Angriffskrieg wütet, wo im Gaza-Streifen täglich Menschenleben ausgelöscht werden, wo Flucht, Vertreibung, Hunger und Terror viele Teile der Welt erschüttern – wird klar:
Die Lehren von damals sind aktueller denn je.

Ein warnender Blick auf unsere Gegenwart

Umso erschütternder ist die Tatsache, dass wir – 80 Jahre nach dem Ende des Naziterrors – wieder eine bedrohliche Zunahme an Radikalismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus erleben. Hetze im Netz, demokratiefeindliche Parolen auf der Straße, ein zunehmend aggressives Klima des Gegeneinanders und eine spürbare Entsolidarisierung innerhalb unserer Gesellschaft – das alles sind Entwicklungen, die wir nicht verharmlosen dürfen, ganz im Gegenteil, denen wir selbstbewusst begegnen müssen!
 
Gerade deshalb müssen wir als Gesellschaft, als politisch Verantwortliche, aber auch als jede und jeder Einzelne mit aller Entschlossenheit und Klarheit Haltung zeigen.
Denn wer aus der Geschichte lernen will, darf nicht wegsehen, wenn sich ihre gefährlichsten Kapitel in neuer Sprache und Gestalt wiederholen.
Wir wissen heute mehr denn je, wohin Radikalisierung, Ausgrenzung und das Schüren von Ängsten führen können. Und wir wissen auch:
Demokratie stirbt nicht über Nacht. Sie stirbt schleichend – dann, wenn wir anfangen, das Unaussprechliche als normal hinzunehmen.

Staatsvertrag, Neutralität und europäische Verantwortung

Der österreichische Staatsvertrag von 1955 – ein Jahrhundertdokument! Er bedeutete und bedeutet Freiheit und Souveränität für unser Land. Er steht für die immerwährende Neutralität Österreichs, aber auch für unsere aktive Friedenspolitik. Neutralität heißt nicht, keine Haltung zu haben. Neutralität heißt, für Frieden einzutreten – immer, überall und entschieden.
Gerade jetzt – angesichts von Krieg und globaler Unsicherheit – braucht es ein Österreich, das stark, klar und solidarisch ist. Ein Österreich, das sich nicht hinter diplomatischen Floskeln versteckt, sondern Menschenrechte, Menschlichkeit und Freiheit verteidigt und eine aktive, vermittelnde außenpolitische Rolle übernimmt.

Die Europäische Union: Aus der Vergangenheit geboren, für die Zukunft geschaffen

Vor 30 Jahren ist Österreich der Europäischen Union beigetreten – ein historischer Schritt, der auch Kärnten geprägt und vorangebracht hat. Siehe dazu auch mein Blog anl. des Europatages am 09. Mai https://kaiser-peter.at/post/30-jahre-eu-mitgliedschaft-ein-erfolgsweg-fuer-kaernten-und-europa-von-der-peripherie-ins-herz-europas/
 
Ja, die EU ist nicht perfekt – aber sie ist das stärkste Kooperations- und Friedensprojekt unserer Zeit.
Ein Projekt, das nicht auf Abgrenzung, sondern auf Gemeinsamkeit beruht. Nicht auf Misstrauen, sondern auf Miteinander. Nicht auf Nationalismus, sondern auf grenzüberschreitende Kooperation.
 
Gerade in einer Welt, die durch multipolare Machtverschiebungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und populistische Tendenzen ins Wanken gerät, ist die EU unsere beste Antwort auf globale Herausforderungen. Wenn Donald Trump in den USA in seiner zweiten Amtszeit der Welt mit verstörenden Annexionsplänen (Stichwort Grönland) und Handelskriegen droht, wird eines besonders deutlich:
 
Europa muss stärker zusammenrücken.
Österreich muss europäischer denken.
Kärnten muss Teil der Lösung sein.

Kärnten: Erinnern. Gestalten. Verantwortung leben.

Kärnten lebt Erinnerungskultur. Ob durch Gedenkveranstaltungen, Bildungsarbeit oder Zeitzeugenprojekte – unser Bundesland leistet seinen Beitrag, um die Geschichte nicht zu vergessen. Und es leistet auch seinen Beitrag zur aktiven Gestaltung der Gegenwart:
Zum Beispiel mit dem Kärntner Bau- und Investitionsprogramm, das mit 1,3 Milliarden Euro nicht nur Infrastrukturprojekte ermöglicht, sondern auch zehntausende Arbeitsplätze sichert und neue schafft. Ein starker Beitrag zur sozialen Sicherheit, ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung und soziale Spaltung.

Fazit: Der 8. Mai ist mehr als Gedenken – er ist ein Auftrag

Wir dürfen nicht vergessen.
Wir dürfen uns nicht zurücklehnen.
Und wir dürfen vor allem eines nicht tun: die Geschichte verdrängen oder relativieren.
Der 8. Mai erinnert uns daran, was war, damit wir wissen, was nicht wieder sein darf.
Er verpflichtet uns dazu, für Frieden, für Demokratie, für Freiheit und für Gerechtigkeit einzustehen – nicht nur mit Worten, sondern mit Taten.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen nachdenklichen, aber auch hoffnungsvollen 8. Mai.
Einen Tag der Erinnerung – und der Verantwortung.
 
Mit herzlichen Grüßen,
Euer Peter Kaiser
Landeshauptmann von Kärnten