Dörflinger: „Milliardenbudget von reinen Hilfs- und Entschädigungszahlungen auf Vorsorge ausrichten“
Landesvorsitzender der SPÖ Bäuerinnen und Bauern Kärnten, Ralph Dörflinger
Die anhaltende Dürre bringt viele bäuerliche Betriebe an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Der Landesvorsitzende der SPÖ Bäuerinnen und Bauern Kärnten, Ralph Dörflinger, fordert deshalb erneut die Aussetzung der von vielen Bäuerinnen und Bauern im Nebenerwerb doppelt zu zahlenden Sozialversicherungsbeiträge. Gleichzeitig wiederholt er die Forderung, dass auch der Lebensmittelhandel als Krisengewinner einen Teil seiner Margen zur Krisenbewältigung beitragen muss.
„Es kann nicht sein, dass die Landwirtschaft das Produktionsrisiko trägt, die öffentliche Hand nur Entschädigungen zahlt und der Handel seine Margen absichert. Wer an unseren Lebensmitteln verdient, muss gerade in Krisenzeiten auch Verantwortung für jene übernehmen, die sie produzieren und jene, die sie leistbar benötigen“,
betont Dörflinger.
Vor allem müsse Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig die Möglichkeiten seines eigenen Ressorts ausschöpfen, denn hier liegen riesige Hebel noch begraben. Allein im Landwirtschafts-, Forst-, Regionen- und Wasserwirtschaftsbudget sind für 2026 knapp 2,9 Milliarden Euro vorgesehen. Dazu kommen Rücklagen sowie Mittel aus dem Klima- und Umweltbereich.
„Nicht jeder Euro ist frei verfügbar. Aber bevor bei der nächsten Dürre wieder zusätzliche Millionen für Schäden gefordert werden, muss sofort auf den Tisch, welche bestehenden Mittel neu priorisiert werden können. Wir müssen weg von reinen Hilfs- sowie Entschädigungszahlungen und hin zu einer Politik, die Schäden möglichst verhindert“,
fordert der neue SPÖ Bäuerinnen und Bauern Landesvorsitzende Kärnten.
Dabei gehe es nicht darum, Betrieben Unterstützung wegzunehmen, sondern vorhandenes Geld gezielter dort einzusetzen, wo es Höfe entlastet und langfristig widerstandsfähiger macht. Als Beispiel nennt Dörflinger die Agrardieselförderung, für die 2026 und 2027 jeweils rund 50 Millionen Euro vorgesehen sind und die sich wesentlich an der bewirtschafteten Fläche orientiert.
„Auch hier zeigt sich ein Grundproblem, denn wieder entscheidet wesentlich die Fläche. Wie viel Arbeit tatsächlich am Hof geleistet wird und wie arbeitsintensiv produziert wird, findet viel zu wenig Berücksichtigung“,
kritisiert er. Es gehe ausdrücklich nicht um die Abschaffung der Agrardieselentlastung, sondern darum, Fördermittel zielgerichteter einzusetzen und stärker mit tatsächlich geleisteter Arbeit und Zukunftsinvestitionen zu verbinden.
Vorrang brauche es insbesondere bei gesunden Böden und Humusaufbau, Wasserrückhalt, klimaresilienten Wäldern und einer an Hitze und Trockenheit angepassten Bewirtschaftung.
„Jeder Euro, mit dem wir unsere Höfe heute widerstandsfähiger machen, kann uns morgen ein Vielfaches an Schäden ersparen“,
so Dörflinger.
Grundlage dieser Neuorientierung müsse ein wirksames Klimagesetz mit klaren Zielen und Verantwortlichkeiten sein.
„Ein Klimagesetz ist kein Selbstzweck. Es muss verbindlich festlegen, wo wir hinmüssen und welche Investitionen Vorrang haben. Wenn die Ziele klar sind, müssen sich auch die Budgets daran orientieren. Wir können nicht Jahr für Jahr Millionen für die Folgen der Klimakrise ausgeben und gleichzeitig bei der Vorsorge zu wenig tun“,
ist der SPÖ Bauernchef Kärnten überzeugt.
Dass Vorsorge ressortübergreifend gedacht werden müsse, zeige auch der von Landeshauptmann Daniel Fellner und Umweltreferentin Marika Lagger-Pöllinger angekündigte Kärntner Klimadialog, bei dem gemeinsam Lösungen für mehr Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze, Dürre und Extremwetter entwickelt werden sollen.
„Minister Totschnig vereint Landwirtschaft, Wasser, Klima und Umwelt in seinem Verantwortungsbereich. Jetzt muss er zeigen, welchen Vorteil das für unsere Bäuerinnen und Bauern hat, d.h. Prioritäten neu setzen, vorhandenes Geld gezielter einsetzen und heute in Vorsorge investieren, statt morgen immer höhere Schäden bezahlen zu müssen“,