2025 ist ein Gedenkjahr in mehrfacher Hinsicht: Vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg, vor 70 Jahren wurde der Staatsvertrag unterschrieben und vor 30 Jahren stimmten über 3,5 Millionen Österreicherinnen und Österreicher in einer Volksabstimmung für den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union.
„Grund genug, im Angesicht globaler Veränderungen, Herausforderungen und neuer Bedrohungen, dieses Jahr zum kulturellen Erinnerungsjahr auszurufen. Denn all diese Ereignisse haben etwas gemeinsam: Zulassen der Demokratie, der demokratischen Prozesse, Mitsprache, Freiheit und Sicherheit. Niemals dürfen wir vergessen, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, denn die Realität zeigt durch Extremismen, dass demokratische Formen unterwandert werden möchten. Nur acht Prozent der Weltbevölkerung leben in Demokratien. Die Demokratie zu stabilisieren, ist tägliche Arbeit, Demokratie leben, muss eine Selbstverständlichkeit sein“,
fasste Landeshauptmann Peter Kaiser im Zuge der Programmpräsentation zum „Erinnerungsjahr 2025 – Leto Spominjanja“ vor Medien zusammen.
Das Jahr der Erinnerung sei laut Kaiser in seiner breiten Palette an Veranstaltungen als Mahnung gegen jegliche Form von Radikalismen und Extremismus zu sehen.
„Zudem haben wir nach wie vor die Lehren aus unserer Geschichte zu ziehen und Bedrohungen gegen unsere Demokratie abzuwehren“,
so Kaiser.
Der Landeshauptmann verwies auf die Veranstaltungen des Landes Kärnten, um sich als Land gemeinsam mit der Bevölkerung jener Ereignisse zu erinnern. Dazu gehören ab Mai Festveranstaltungen im Kärntner Landtag mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer als Festredner (8. Mai), einer weiteren Festveranstaltung im Juni im Landtag zum EU-Beitritt Österreichs und dem 60-Jahr-Jubiliäum des Europahauses Klagenfurt. Im Oktober werde es anlässlich des Nationalfeiertages Festakte in Laibach/Ljubljana und Triest geben und schließlich am 26. Oktober die finale Veranstaltung zum Erinnerungsjahr in Kärnten. Selbstverständlich sei das Gedenken an die ehemaligen Konzentrationslager am 7. Juni am Loiblpass.
Kaiser dankte auch allen, die dazu beigetragen haben, dass in Kärnten in diesem Jahr die Erinnerung, das niemals Vergessen, aber auch die gegenwärtige Bedrohungen so eindrucksvoll sichtbar und erlebbar werden.
Das Jahr 2025 steht in Hinblick auf die einschneidenden Ereignisse vor 80 Jahren, dem Ende des NS-Regimes, der Befreiung aus der Nazi-Diktatur, europaweit im Zeichen der Erinnerung.
„Das „Erinnerungsjahr 2025 – Leto Spominjanja“ in Kärnten selbst wird vom Kärntner Kulturgremium in Kooperation mit dem Kärntner Bildungswerk ausgerichtet. Eine Arbeitsgruppe aus zehn Personen des Kulturgremiums zeichnet für das Programm verantwortlich, das in einem längerdauernden Prozess entstanden ist und das ganz Kärnten erfassen sollte“,
so Nadja Danglmaier, Vorsitzende des Fachbereichs Wissenschaft im Kulturgremium.
Ziel sei es, im Laufe des Jahres 2025, sich auf vielfältige Weise mit dem Thema Erinnerung zu befassen, wie beispielsweise in den 15 interdisziplinären Projekten, durch die das Augenmerk auf das öffentliche, auch politische Erinnern gerichtet wird. Der Fokus liegt dabei nicht auf den Gräueltaten im Nazi-Faschismus, sondern auf dem öffentlichen Erinnern von 1945 bis heute – wer hat sich wie erinnert, wie wurde das Gedenken bewahrt? Danglmaier verwies des Weiteren auf die Kooperationspartner, wie das Kärntner Bildungswerk und Gerti Malle als Koordinationsstelle zwischen Kulturgremium, Bildungswerk, Projekteinreichenden und Bildungsinstitutionen. Zudem sei ein umfassender Veranstaltungskalender entstanden, der weitere, zum Thema passende, Veranstaltungen abseits des Programms des Erinnerungsjahres aufweisen wird, zu finden unter
www.erinnerungsjahr2025.at.
Das Programm im „Erinnerungsjahr 2025 – Leto Spominjanja“ beginnt mit dem 8. Mai als 80. Jahrestag der Befreiung vom NS-Regime und reicht bis zum 26. Oktober, dem österreichischen Nationalfeiertag. Es werden insgesamt 15 Projekte quer durch Kärnten die Erinnerungskultur als solche sichtbar, erfahrbar und erlebbar machen.
Michael Aichholzer vom Kärntner Bildungswerk verwies auf die Rolle der Institution als Bindeglied zu den Akteuren in Bezug auf Fördermaßnahmen.
„Zudem können wir aus dem Budget des Schwerpunktjahres Schulklassen unterstützen und Kosten für die Besuche von Ausstellungen und Veranstaltungen übernehmen“,
erklärte Aichholzer ein Ziel, auch bzw. vor allem die Jugend miteinzubinden.
Im Hinblick auf das Schwerpunktjahr zur Erinnerungskultur wird am 8. Mai im kärnten.museum die Ausstellung „HINSCHAUN! POGLEJMO!“ eröffnet. Am 8. Mai endete 1945 der Zweite Weltkrieg in Europa, die Ausstellung thematisiert den Umbruch, die Nachwirkungen und den Umgang mit der NS-Vergangenheit bis in die Gegenwart. Darum und um Kärnten und den Nationalsozialismus wird es in der Ausstellung gehen. Insgesamt wird es im kärnten.museum acht Ausstellungen mit unterschiedlichen Zugangsweisen zum Ende des Zweiten Weltkrieges, dem Staatsvertrag und dem EU-Beitritt Österreichs geben.
Es gehe laut Museumsdirektor Wolfgang Muchitsch darum, woran nach 1945 erinnert wurde, in welcher Form und an welchen Orten. So werde in der Ausstellung unter anderem zu lang verdrängten Tatorten von Kärntner Nationalsozialisten in europäischen Ländern geführt. Die Ausstellung lädt in den fünf Dimensionen Kriegsführung, Deportation, Auslöschung, Widerstand und Wissenschaft zur Selbsterkundung ein: 80 Jahre Kärnten und der Nationalsozialismus. Muchitsch verwies auf ein umfangreiches Rahmenprogramm zu den Ausstellungen im Museum mit Exkursionen, Workshops und Diskussionen.
Ein wichtiges Projekt sei zudem das „Tor zur Demokratie“ im Klagenfurter Landhaus, eine Dauerausstellung als niederschwelliger Zugang zur Demokratie im Haus der Demokratie, die kürzlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist.
Quelle: LPD Kärnten