Die 49. Tage der deutschsprachigen Literatur wurden gestern, Mittwoch, im ORF Theater in Klagenfurt von Kulturreferent LH Peter Kaiser eröffnet. ORF Direktorin Karin Bernhard begrüßte neben dem Landeshauptmann auch den Bruder Ingeborg Bachmanns, Heinz Bachmann mit seiner Gattin, Bischof Josef Marketz, die Kooperationspartner des Bachmannpreises, Kelag Vorstand Reinhard Draxler und BKS Vorstand Nikolaus Juhàsz, Peter Schöber, Koordination 3Sat beim ORF und Nadja Kayali vom Carinthischen Sommer sowie Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider und den Kulturstadtrat Franz Petritz.
Am 29. Juni wird die Bachmannpreisträgerin, oder der -preisträger 2025 bekannt gegeben werden.
Kaiser hob in seiner Rede die Wichtigkeit und die Aufgaben der Literatur im Speziellen für die Gesellschaft hervor.
„Halten wir am Bachmannpreis, an der Literatur im Allgemeinen, fest, in einer Welt, in Informationsfluss und Art der Information sich ständig und rapide ändern. Kann sich Literatur behaupten gegen neue Medien, Fake News?“,
stellte Kaiser in Frage.
Der Landeshauptmann erinnerte an Dürrenmatts „Die Physiker“, ihren Gegenwartsbezug und hielt fest:
„Literatur ist eine Form, sich gegen das, was sich gegen Menschen richtet, aufzulehnen. Sie vermag es, gegen Gewalt in der Gesellschaft aufzutreten!“
Der Kulturreferent zog auch Parallelen der heutigen Zeit zu Ingeborg Bachmanns Kriegstagebuch und zitierte:
„Ich habe einen Sessel in den Garten gestellt und lese und habe mir vorgenommen, weiter zu lesen, wenn die Bomben kommen“. „Das“, so Kaiser, „ist ein Ausdruck dessen, was Literatur vermag. Literatur ist gegen Inhumanität, Literatur ist für Humanität und wir brauchen das!“.
Heinz Bachmann gab kurz Einblicke in das Leben und Schaffen seiner Schwester und erklärte:
„Sie hätte allen jungen Autorinnen und Autoren hier Mut gemacht. Sie wäre gerührt und überwältigt, würde sie sehen, wie viele Autorinnen und Autoren sich um den Preis bemühen!“ Bachmann hob vor allem die „Öffentlichkeit des Wettlesens im gesamten deutschsprachigen Raum“ hervor und sagte in Bezug auf Ingeborg Bachmann, die heute ihren 99. Geburtstag feiern würde: „Wir vermissen dich, du fehlst uns sehr!“
Bürgermeister Christian Scheider sagte die Unterstützung der Stadt Klagenfurt für die Weiterführung des Bachmannpreises zu, denn „die Literatur ist der Spiegel der Gesellschaft, der Bachmannpreis, hier geboren, sich wunderbar weiterentwickelnd, ist ein wichtiger Treffpunkt für Literatur, für Innovation, Mut und sprachlicher Brillanz, und damit ein Ort des Austausches, der Inspiration und der kulturellen Vielfalt“.
Neu ist heuer der Preis, den das Kulturfestival Carinthischer Sommer unter dem Titel „Carinthischer Sommer – Festivalschreiber:in“ erstmals vergibt, ein Stipendium am Ossiacher See für eine Person, die für zwei Monate im Sommer nach Kärnten eingeladen wird, Texte zu verfassen. Der Wert des Preises beträgt 3.000 Euro.
Nadja Kayali habe laut ihren Angaben, seit sie in Kärnten ist, Literatur und Musik zusammenführen wollen und mit diesem Preis werde der Carinthische Sommer beides stärken – die Literatur und die Musik, denn
„Kärnten hat eine unglaublich starke Literatur“.
Im Zuge der Eröffnung gestern, hielt Nava Ebrahimi, die Bachmannpreisträgerin 2021 die 26. Klagenfurter Rede zur Literatur unter demTitel „Drei Tage im Mai“.
Es werden heuer sechs Preise vergeben:
- Ingeborg-Bachmann-Preis, 25.000 Euro
- Deutschlandfunk-Preis,12.500 Euro
- KELAG-Preis, 10.000 Euro
- 3sat-Preis, 7.500 Euro
- BKS Bank-Publikumspreis, 7.000 Euro
- neues Stipendium am Ossiacher See im Wert von 3.000 Euro.
Das Voting für den Publikumspreis läuft am Samstag, dem 28. Juni, von 15.00 bis 20.00 Uhr. Zuschauer und Zuschauerinnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz können wählen.
3sat wird die Lesungen wieder übertragen, es ist der Bachmann-Preis das größte Live-Programmevent des Gemeinschaftssenders von ZDF, ORF, SRG und ARD, wies Peter Schöber hin. Es gibt über 17 Stunden Literaturprogramm live im gesamten deutschen Sprachraum. Lesungen und Diskussionen laufen am Donnerstag und Freitag von 10.00 bis 15.30 Uhr und am Samstag von 10.00 bis 14.30 Uhr. Die Preisverleihung startet am Sonntag um 11.00 Uhr. Der gesamte Bewerb wird zudem im Radio via Deutschlandradio und auch auf bachmannpreis.ORF.at als Livestream übertragen.
Bachmann Haus:
Am Freitag, 27. Juni, wird nach Renovierung und Umbau das ehemalige Wohnhaus der Familie Bachmann als musealer Ort zu Ehren der Dichterin mit einer Pressekonferenz, einem Straßenfest sowie einem Festakt für geladene Gäste im Stadttheater feierlich eröffnet. Es werden auch die Geschwister von Ingeborg Bachmann anwesend sein.
Autorinnen und Autoren 2025:
14 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, der Schweiz und Österreich lesen um den mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis.
- Thomas Bissinger, D
- Natascha Gangl, A
- Max Höfler, A
- Nefeli Kavouras, D
- Fatima Khan, D
- Laura Laabs, D
- Kay Matter, CH
- Tara Meister, A
- Nora Osagiobare, CH
- Josefine Rieks, D/A
- Almut Tina Schmidt, D/A
- Boris Schumatsky, D
- Verena Stauffer, A
- Sophie Sumburane, D
Die Jury:
- Vorsitzender Klaus Kastberger, Graz (A)
- Mara Delius, Berlin (D)
- Laura de Weck (CH)
- Mithu Sanyal (D)
- Brigitte Schwens-Harrant, Wien (A)
- Thomas Strässle (CH)
- Philipp Tingler, Zürich (CH)
Quelle: LPD Kärnten