4. EU-Talk im Europäischen Jahr der Kompetenzen

Zum offiziellen Start des „Europäischen Jahres der Kompetenzen“ am Europatag (9. Mai) ging heute, Mittwoch, auch der 4. Kärntner EU-Talk über die Bühne. EUROPE DIRECT Kärnten, die EU-Koordinationsstelle des Landes Kärnten und das Europahaus Klagenfurt luden dazu ins St. Veiter Rathaus. Bei der Diskussion mit Europareferent LH Peter Kaiser, Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft sowie der Kärntner Volkshochschule und des Bildungslandes Kärnten wurde das junge Publikum über die Ausbildungsmöglichkeiten im Inland und grenzüberschreitend in der EU informiert. Es ging außerdem um Herausforderungen und Probleme, mit denen die jungen Menschen in naher Zukunft in der Arbeitswelt konfrontiert sein werden. Moderiert wurde die Veranstaltung von Marc Germeshausen, Geschäftsführer des Europahauses Klagenfurt. Er verwies in diesem Rahmen auch auf den Europastaatspreis, der EUROPE DIRECT Kärnten tagszuvor, in Wien für das Projekt „EU bist auch du“ überreicht wurde.
 
Heimat und Identität stehen nicht im Widerspruch zum EU-Gedanken betonte Kaiser in seinen Begrüßungsworten und unterstrich:

„Ich identifiziere mich stark mit der europäischen Idee. Eine Idee, die man, wenn es sie nicht schon gäbe, jetzt erfinden müsste. Denn ist es nicht logisch, dass man in einer Zeit, geprägt von globalen Problemen, gemeinsam nach Lösungen sucht.“

Von acht Milliarden Menschen auf dieser Erde leben nur 1,7 Milliarden in Demokratien, mahnte Kaiser.

„Es ist daher eine immense Herausforderung für Europa, sich auf Basis demokratischer Grundsätze zu behaupten und darüber hinaus Demokratie zu verbreiten und zu verteidigen“,

war er sich sicher, und wünschte den anwesenden Jugendlichen, dass sie Gefallen an Europa und am aktiven Mitgestalten finden. 
 
In einer ersten Diskussionsrunde standen neben LH Kaiser auch Günter Marx vom Bildungsland Kärnten und Tanja Leitner von den Kärntner Volkshochschulen den Jugendlichen Rede und Antwort. In der zweiten Runde nahmen Rene Wallner von der Flex Althofen, Carina Ruppitsch von der HR Generalist Treibacher Industrie AG und Gerald Sablatnig von der Kelag am Podium Platz.
 
Angesprochen auf die Möglichkeiten der Lehre und den Fachkräftemangel in Kärnten sagte Kaiser:

„Prinzipiell ist die Lehre so attraktiv wie nie zuvor. Auch die meisten ausländischen Delegationen zeigen größtes Interesse an der dualen Ausbildung.“

Die aktuellsten Statistiken würden zeigen, dass 32 bis 35 Prozent der Jugendlichen eines Jahrganges in Kärnten direkt in die Lehre gehen.

„Viele kombinieren auch die Lehre mit Matura. Österreichweit einzigartig ist außerdem das Projekt, das es jungen Menschen ermöglicht, neben der Lehre auch ein Studium zu absolvieren. Tendenziell steigt der Wert der Lehre nicht zuletzt aufgrund dieser Möglichkeiten immens“,

betonte Kaiser, der heute alle Ausbildungsmöglichkeiten als gleichwertig bezeichnen würde.

„Umso mehr kommt es darauf an, Jugendliche möglichst gut zu beraten. Auch hier ist das Angebot in Kärnten ein sehr gutes“,

so der EU-Referent.
 
In den Fokus rückte der Landeshauptmann auch das ERASMUS+ Programm, das die Mobilität der jungen Menschen in unserem Land forciert und unterstützt.

„Dabei ist Kärnten im Bundesländervergleich spitze. Gemessen an der Anzahl der Jugendlichen haben wir die höchste Beteiligung an diesem Programm. Wir arbeiten jetzt auch intensiv daran, auch Berufsschülerinnen und Berufsschülern Zugänge zu diesem Programm anbieten zu können“,

so Kaiser.
 

„Jeder arbeitssuchende Jugendliche ist einer zu viel, auch wenn die Jugenderwerbslosigkeit so gering wie seit langem nicht mehr ist“,

betonte der Landeshauptmann im Rahmen der Diskussion. In enger Kooperation mit dem AMS sei man bemüht darum, Arbeitssuchenden die für den Arbeitsmarkt nötigen Fähigkeiten und Fertigkeiten über entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen zu vermitteln. Dabei verleiht beispielsweise die Wichtigkeit digitaler Fähigkeiten dem lebensbegleitenden Lernen noch mehr Bedeutung.

„Was zählt ist die Anstrengung, die ein Mensch erbringt, um etwas zustande zu bringen“,

war es Kaiser gerade im Hinblick auf körperliche und geistige Schwächen ein Anliegen, den Begriff Leistung neu zu definieren.
 
Thematisiert wurde auch die Lehre im Amt der Kärntner Landesregierung.

„Mit einem Ausbildungskolleg aber auch mit dem neuen Besoldungsschema konnten wir die Lehre bei uns noch attraktiver gestalten“,

war sich Kaiser sicher. Erfreut zeigte er sich als Personalcreferent über den hohen Prozentsatz jener, die eine Lehre mit Matura absolvieren.
 
Begeistert vom Tiefgang der Fragen und den Darstellungen der Jugendlichen appellierte Kaiser am Schluss:

„Nutzt die Chancen die sich euch bieten! Unser Ziel ist es, niemanden zurückzulassen. Das wird uns nicht immer gelingen, aber ihr könnt Vertrauen in uns haben. Wir tun alles, damit Frieden und wechselseitiges Verständnis uns alle ein Leben lang begleiten werden.“

 
Als Präsident des Europahauses Klagenfurt begrüßte Christof Zernatto alle Anwesenden und dankte den Mitveranstaltern. Der Europastaatspreis zeige, dass die Bemühungen Kärntens auch über die Landesgrenzen hinweg Anerkennung finden.

„Wir versuchen, durch intensive Information den Bürgerinnen und Bürgern, vor allem den Jugendlichen, die Chancen und Möglichkeiten zu vermitteln, die sich aus der Gemeinsamkeit in der EU ergeben“,

beschrieb Zernatto das Hauptziel des gemeinnützigen Vereins.
 
An den Beginn eines gemeinsamen Europas vor 73 Jahren mit der Schuhmann-Erklärung erinnerte Vizebürgermeister Clemens Mitteregger. Frieden und wirtschaftlicher Nutzen für alle beteiligten Staaten seien die größten Ziele des damaligen Zusammenschlusses gewesen sein.

„Gerade in Zeiten von Krisen, ist es wichtig zu spüren, dass wir in einer Gemeinschaft mit anderen Staaten am besten aufgehoben sind. Europa muss sich aber auch ständig weiterentwickeln. Wenn wir es nicht tun, dann werden es jene tun, die dieses gemeinsame Europa zerstören wollen“,

so Mitteregger. Er hob in seiner Rede die Wichtigkeit von Bildung in diesem Zusammenhang hervor und freute sich über das rege Interesse der Jugendlichen im Publikum. 
 
Quelle: LPD Kärnten