35 Jahre Volksgruppenbüro – Bilanz einer Erfolgsgeschichte

Bereits seit 35 Jahren gibt es das Volksgruppenbüro des Landes Kärnten/Biro za slovensko narodno skupnost, angesiedelt bei der Abteilung 1 – Landesamtsdirektion der Kärntner Landesregierung. Über die jahrzehntelange Erfolgsgeschichte haben heute, Mittwoch, Landeshauptmann Peter Kaiser, Peter Karpf, Leiter des Kärntner Volksgruppenbüros sowie die zukünftige Leiterin des Volksgruppenbüros, Mirjam Polzer-Srienz – sie übernimmt mit 01.12. die Leitung – Bilanz gezogen.
Landeshauptmann und Volksgruppenreferent Peter Kaiser zeigte sich stolz über diese Österreichweit einzigartige Institution:

„Mit dem Volksgruppenbüro wird dafür Sorge getragen, dass die slowenische Volksgruppe einen besseren Zugang zur Landesverwaltung erhält und das bereits seit 35 Jahren. Und darüber hinaus leistet diese Serviceeinrichtung unverzichtbare Dialogarbeit für ein gelingendes Zusammenleben von deutsch- und slowenischsprechenden Landsleuten.“

 
Im Jahr 1990 wurde das das Volksgruppenbüro unter Landeshauptmann Jörg Haider beim Amt der Kärntner Landesregierung eingerichtet (erster Leiter: Paul Apovnik). Politisch begleitet Kaiser diese Institution seit damals mit. Kaiser skizzierte einen kurzen geschichtlichen Abriss sowie die umfangreichen Aufgabengebiete des Volksgruppenbüros, unter anderem die Erarbeitung von Vorschlägen zur Verbesserung der Lage der Volksgruppe und von Konzepten betreffend das Zusammenleben von deutsch- und slowenischsprechender Bevölkerung. Weiters fungiere das Volksgruppenbüro als Services-, Dokumentations- und Anlaufstelle für Übersetzungsarbeiten sowie juristische Angelegenheiten.
Kaiser nennt das Jahr 2011 ein „historisches Jahr, in dem endlich die entscheidende Lösung rund um die Ortstafelthematik gefunden werden konnte.“ 2013 wurde das Dialogforum, das für die Entwicklung des gemischtsprachigen Gebiets zuständig ist, mit Leben erfüllt und tagt seitdem regelmäßig. Dessen Geschäfts- und Koordinationsstelle ist beim Volksgruppenbüro angesiedelt.
 
Als weiteren Höhepunkt streicht Kaiser das Jahr 2017 mit der Novellierung der Kärntner Landesverfassung hervor:

„Erstmalig in der Geschichte Österreichs haben wir die slowenische Volksgruppe explizit in der Kärntner Landesverfassung verankert.“

Weiters habe man es laut Kaiser geschafft, eine 15a-Vereinbarung mit dem Bund einzugehen, zur Verbesserung und Intensivierung der zweisprachigen Elementarbildung. Auch habe man die slowenischsprachigen Musikschulen, die „Glasbena sola“ in das Kärntner Musikschulwesen integriert und damit abgesichert.
 
Im Erinnerungsjahr 2022 habe sich der Landeshauptmann öffentlich bei der slowenischsprachigen Kärntner Bevölkerung für die vor 80 Jahren stattgefundenen Deportationen unter NS-Regime, entschuldigt. Auch die Öffnung der 10.-Oktober-Feierlichkeiten für beide Landessprachen sei hervorzuheben.
 
Abschließend bedankte sich Kaiser bei Peter Karpf, dem Leiter des Kärntner Volksgruppenbüros, für 35 Jahre im Dienste der Volksgruppe und die „Bereitschaft schwierige Ereignisse mit entsprechendem Engagement und im Sinne des Miteinanders zu lösen“. Peter Karpf, der das Volkgruppenbüro 20 Jahre geleitet hat und am Freitag dieser Woche in den Ruhestand tritt, fasste seine 35 Arbeitsjahre im Volkgruppenbüro in Etappen zusammen: Befand sich das Volksgruppenbüro seit seiner Gründung 1990 bis 1999/2000 ein Jahrzehnt lang auf „Spurensuche“, so waren die darauffolgenden ca weiteren zehn Jahre bis 2011 vom „Wendepunkt“ durch das „Ortstafelerkenntnis“ (1999) im Volksgruppengeschehen in Kärnten geprägt. Mit der Lösung der „Ortstafelfrage“ (2011) und ab 2013 wurde durch das gemeinsame Bekenntnis zu einem „Füreinander“ ein Wandel zum Wohle der beiden im Lande lebenden Volksgruppen vollzogen.

„Mit dem Übergang vom Miteinander zum Füreinander wurde eine höhere Qualitätsstufe der Vertrauensbildung in Kärnten im Volksgruppendialog erreicht“,

so Karpf weiter. Darauf setzt auch Karpfs Nachfolgerin, Mirjam Polzer-Srienz, die ab 1. Dezember die Funktion Leiterin des Volksgruppenbüros übernimmt:

„Wir setzten auf Kontinuität und wollen den erfolgreichen Dialog und die Vertrauensbildung zwischen slowenischsprachigen und deutschsprachigen Kärntnerinnen und Kärntnern weiterführen“.

Mit der Neustrukturierung des Volksgruppenbüros und der Erweiterung des Aufgabengebiets rund um das Thema Menschenrechte habe das Land dafür gesorgt, dass das Volksgruppenbüro auch für die Zukunft abgesichert sei und Kernkompetenzen erhalten und ausgebaut werden.
 
Erfolgsformate wie der Europäische Volksgruppenkongress werden eine zielgruppenorientierte Modernisierung erfahren, sowie bereits vor zwei Jahren die Kulturwoche/Kulturni teden zum neuen Veranstaltungsformat Kulturtandem/Kulturni tandem erweitert wurde, so Polzer-Srienz. Auch die Chancen der Digitalisierung sollen im Amtssprachenbereich genutzt werden und es wird weiters auf der Grundlage des ersten deutsch-slowenischen Wörterbuchs von Dr. Paul Apovnik an der Weiterentwicklung der slowenischen Rechts- und Verwaltungsterminologie gearbeitet, verrät Polzer-Srienz einige ihrer Vorhaben als neue Leiterin des Volksgruppenbüros.
Quelle: LPD Kärnten